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27.12.2002
Leben in der Warteschleife - Asylbewerber haben ihr neues Heim in Bad Doberan bezogen
Bad Doberan (OZ) "Heim gut. Deutschland gut", sagt Emine Ozer. Zusammen mit ihrer Mutter Latife Karahan wartet die aus der Türkei kommende Frau auf die Entscheidung ihres Asylantrages. Die Frauen sind Kurden und haben in Deutschland um Asyl gebeten. Wo ihre Familie ist, wissen sie nicht.
Seit zwei Jahren ist Emine Ozer schon in Deutschland. Zuletzt hat sie im Heim in Drüsewitz (Gemeinde Selpin) gelebt. Das wurde durch die Landesregierung geschlossen, und der Landkreis Bad Doberan war so gezwungen, sich nach einer Alternative umzusehen. Es gab mehrere Ausschreibungen, bis endlich der Standort im Doberaner Gewerbegebiet und der Betreiber des Heimes feststand. "Es hat zehn Bewerber gegeben. Wir haben einen Zweijahresvertrag mit der Betreuungsfirma M & S abgeschlossen", informiert Dezernatsleiter Manfred Gerth von der Kreisverwaltung.
Vor Weihnachten war der Umzug aus Drüsewitz nach Bad Doberan abgeschlossen. Zusammen mit Emine Ozer und Latife Karahan leben 160 Asylbewerber im Heim, das offiziell Gemeinschaftsunterkunft, An der Krim 2, heißt. Wobei vor allem Familien mit Kindern sich nur schwer von Drüsewitz lösen konnten. Ihr dortiger Heimleiter ist übrigens in seinem Job geblieben: Manfred Eisenhut leitet wie schon in Drüsewitz auch das Doberaner Heim. Assistiert wird es von Isolde Koch. Der früheren Französischlehrerin kommen ihre Sprachkenntnisse zu Gute, denn gerade aus dem afrikanischen Raum leben viele Asylbewerber im Heim.
Insgesamt leben im Heim bis zu 160 Bewohner. "Vertraglich ist für sie eine Betreuung von 8 bis 20 Uhr festgeschrieben", weiß Monika Stieler, die das Sozialamt in der Kreisverwaltung leitet. Der Wach- und Sicherheitsdienst - er kommt aus Eberswalde - ist rund um die Uhr im Einsatz.
Im Landkreis Bad Doberan gibt es mit Retschow, Kühlungsborn und Bad Doberan drei Heime. Das Land finanziert sie.
Um den Standort Bad Doberan hat es im Vorfeld zahlreiche Diskussionen gegeben. Doch Landrat Thomas Leuchert unterstreicht, dass der Kreis in der Entscheidungsfindung keinen Spielraum hatte. "Wir machen das hier im Auftrag des Innenministeriums", ordnet er politische und juristische Zuständigkeiten zu.
Das Heim, der Mietvertrag läuft über zehn Jahre, ist neu entstanden. Etwa immer 20 Asylbewerber teilen sich einen Küchentrakt bzw. die Sanitärräume. Dort wurde bei den Toiletten auch an die Nutzer aus asiatischen Kulturkreisen gedacht. In den Zimmern schlafen jeweils zwei bis vier Personen.
Um die Integration der Asylbewerber zu erleichtern und um auftretende Probleme schnell lösen zu können, hatte Christian Berner, Vorsteher der Doberaner Stadtvertretung, vorgeschlagen, einen Beirat einzurichten. Vereine, Sozialarbeiter, Verwaltung, Politik, Polizei und Vertreter aus dem Heim könnten dort vertreten sein. "Wir wollen ein solches Gremium und sind im Gespräch", bestätigt Monika Stieler, dass die Idee aufgegriffen werden soll.
THOMAS STERNBERG
Ostseezeitung-Bad Doberan
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