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Ex-Rostockerin: Diskriminierung war Alltag

Daniela Konrädi hat einen afrikanischen Vater und wuchs in Rostock auf. Bei einer Veranstaltung im LiWu berichtete sie am Mittwoch vom Alltag eines schwarzen Kindes allein unter Weißen.

02.06.2006

Steintor-Vorstadt - Im Rahmen der Ausstellung gegen Rassismus und Ausgrenzung "Labyrinth X", die zurzeit in der Nicolai-Kirche zu sehen ist, wurden am Mittwochabend im LiWu Filme zum Thema gezeigt. Anschließend diskutierten der aus dem Iran stammende Videokünstler Sharam Entekhabi, Sam Meffire aus Dresden und die Hamburger Pastorin Daniela Konrädi mit dem Publikum. Meffire und Konrädi wuchsen als Deutsche mit schwarzer Hautfarbe in der DDR auf, er in Sachsen, sie in Rostock.

Diskriminierung war Alltag, schilderte Konrädi am Rande der Veranstaltung ihre Kindheit und Jugend in Lütten Klein, Lichtenhagen und der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. "Das war durchgehend", sagt die heute 40-Jährige, "es gab auch Lehrer, die damit nicht umgehen konnten." Es habe zu ihrer Zeit keine weiteren Schwarzen in Rostock gegeben - zumindest hat sie niemals einen getroffen. 1988 wurde ihr Ausreiseantrag bewilligt und sie folgte ihrem Stiefvater, einem Seemann, in den Westen.

"Ich versuche, mich Rostock wieder anzunähern", sagt Daniela Konrädi. Der Abend im LiWu war ihr zweiter Besuch in ihrer früheren Heimat seit der Ausreise. Bei ihrem ersten Wiedersehen sei es wieder da gewesen - dieses Gefühl, als einziger anders zu sein: "Ich habe nur einen Schwarzen in der Stadt gesehen." Heute lebt die Mutter zweier Kinder in Hamburg-Dulsberg und leitet als Pastorin eine evangelische Gemeinde.

In der Schule bekam sie als Kirchenmitglied Probleme, auch weil sie mit einem "Schwerter zu Pflugscharen"-Aufnäher öffentlich Kritik zeigte. Dennoch sei sie keine Aufrührerin gewesen. "Ich war sehr angepasst", sagt sie.

Sam Meffire hat es zu einiger Berühmtheit geschafft. Anfang der 90er-Jahre warb er als Model einer Werbekampagne für ein tolerantes Sachsen. Dann wurde er Polizist, quittierte den Dienst und geriet auf die schiefe Bahn. Nach einer mehrjährigen Haftstrafe, unter anderem wegen Raubes, arbeitet er inzwischen in der Jugendhilfe. Im Film "Black Deutschland", der im LiWu gezeigt wurde, berichtete er von einer Kindheit, die von Gewalt geprägt war.

Meffire, Konrädi und Enthekabi - dessen Arbeiten bei "Labyrinth X" zu sehen sind - äußerten sich skeptisch zur Frage, ob Rassismus abnimmt. "Ich glaube nicht, dass meine Kinder in 20 Jahren etwas anderes erlebt haben werden als ich", sagte Daniela Konrädi.

G. KLEINE WÖRDEMANN

Ostseezeitung-Rostock

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