|
23.12.2002
"INKA" kontra Abseits - Seit zwei Jahren arbeitet Ludwigsluster Integrationsprojekt für Spätaussiedler mit Erfolg
Ludwigslust Weihnachten auf der Bowlingbahn - nein, für viele Kinder ist das nicht selbstverständlich. "INKA" - ein Projekt des DRK machte jedoch genaudies am vergangenen Wochenende 69 Spätaussiedlerkindern und -jugendlichen und gleichaltrigen Deutschen möglich.
Vor zwei Jahren lernte "INKA" beim Deutschen Roten Kreuz Laufen. Seither steht es für "Integration durch aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit". Und längst sind aus den ersten wackeligen Schritten sichere geworden. Nicht nur, weil das Projekt Teil der ganzen Philosophie des DRK Kreisverbandes Ludwigslust ist. Melitta Sahl, die Frau, die "INKA" leitet, hat Spaß an ihrer Arbeit. "Am Anfang war es völliges Neuland für mich. Zumal ich von Hause aus weder Pädagoge noch Psychologe sondern Köchin bin. Doch inzwischen kenne ich die Kids, weiß, wie ich jenen anpacken, womit ich jenen motivieren kann."
Für alle jungen Leute zwischen 14 und 27 Jahren, die über die Zwischenstation Jessenitz-Werk mit ihren Familien aus Weißrussland nach Deutschland kommen, ist Melitta Sahl die Ansprechpartnerin beim DRK. Und die Jungen und Mädchen seien dankbar für jede Hilfe, die man ihnen geben kann. "Neu in einem ganz anderen Land, kommen sie anfangs allein nur schwer zu recht. Das würde uns in einem anderen Land, mit ganz anderen Gepflogenheiten sicher nicht anders gehen."
Hilfe bei Behördergängen, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen, Arbeitsplätzen und Umschulungen, gehören bei der "INKA"-Chefin zum Alltag. "Und ich muss schon sagen, es macht wirklich Spaß, wenn ich den Kids helfen kann, hier ihre ersten Schritte in eine neue Perspektive zu machen." Die berufliche Integration ist bei "INKA" zweifellos ein Schwerpunkt. An erster Stelle jedoch steht die soziale Integration. "Und ich denke, in den zwei Jahren, die ich die Spätaussiedler jetzt betreue, haben wir da gemeinsam schon einiges gekonnt." Zum Beispiel über häufige Begegnungen, viele gemeinsame Veranstaltungen mit jeweils Gleichaltrigen in Schulen, in Jugendclubs bei Vereinen, in Zusammenarbeit mit Kommunen, aber auch Institutionen bauten sich erste Kontakte auf. "Viele meiner Spätaussiedler, die schon länger hier im Landkreis sind, haben inzwischen unter den hiesigen Bekanntschaften, nicht wenige sogar feste Freundschaften", freut sich Melitta Sahl.
Wie wichtig es den Kids ist, nicht abseits zu stehen, zeigen Gesprächsrunden, Themenabende, Informationsveranstaltungen, gemeinsame Ausflüge... "Es gibt Ausnahmen, aber die meisten wollen integriert werden, sehen hier die Chance auf ihre Zukunft", so Melitta Sahl. "Mit ,INKA' geht es uns darum, dass Vorbehalten gegenüber Mitbürgern egal welchen Alters bei Kindern und Erwachsenen abzubauen. Menschen, die einfach nur in einem anderen Land geboren sind, vor dem Abseits zu bewahren, von Anfang an.
Vor zwei Jahren nahm Melitta Sahl das vorerst auf drei Jahre berenzte und über das Bundesverwaltungsamt vom Bundesministerium des Innern geförderte Projekt als Einzelkämpfer in Angriff. Heute sieht sie sich als Teil einer großen Familie. "In einem Jahr wird für mich bei INKA wohl Schluss sein. Und schon jetzt überlege ich, ob ich die Arbeit dann ehrenamtlich weitermache."
Simone Herbst
Schweriner Volkszeitung-Ludwigslust
|