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21.12.2002
Ziel: Aufklären, bevor es zu spät ist - Neues über Rechtsextremismus für Pädagogen und Mitarbeiter aus Jugendclubs im Landkreis Parchim
Rechtsextremismus mit seinen verschiedenen Erscheinungsformen war Thema einer Fachtagung in Parchim, zu der der Landkreis in der Jugendarbeit Engagierte eingeladen hatte. Die Resonanz war erfreulich.
53 Vertreter von Jugendclubs und fast allen Schulen im Landkreis waren gekommen. "Diese Zahl hat mich positiv überrascht", sagt Britta Gnadke, Sachgebietsleiterin Jugendarbeit bei der Kreisverwaltung. "Als erfreulich empfand ich außerdem, dass die Aufklärung bei den Teilnehmern allgemein gut war."
Obwohl der Landkreis Parchim eher als linksorientiert gilt, habe man die Veranstaltung trotzdem für notwendig erachtet. "Man muss aufklären und präventiv tätig werden, bevor sich etwas etabliert, was sich nur schwer rückgängig machen lässt", so die Jugendpflegerin.
Bei der Tagung angeschnittene Themenbereiche waren unter anderem die verschiedenen Erscheinungsformen von Rechtsextremismus, die Symbolik der Szene, Ursachen von Gewalt und die Geschichte des Rechts- wie Linksextremismus. "Besprochen wurde auch, wie mit Jugendlichen umzugehen ist, die zum Beispiel in einer Einrichtung auffällig werden", sagt Britta Gnadke. Erster Ansprechpartner sei zunächst die Polizei - der Referent arbeitet selbst dort und stellte sich persönlich für solche Fälle zur Verfügung - wenngleich immer das Ziel sei, nicht auszugrenzen, sondern mit einzubeziehen: "Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass Ausgrenzung zu neuer Aggression führt."
Gefahr: Rechtsextreme treten oft angenehm auf
Es sei falsch, zu glauben, dass sich Rechtsextremismus nur durch Gewalt zeigt. "Die Masse der dort Engagierten besteht nicht mehr aus Schlägern", sagt Britta Gnadke. "Ganz im Gegenteil: Sie treten häufig sprachlich gewandt und angenehm auf, betreuen z. B. Kinder und verkörpern die so genannten ,deutschen Tugenden'. Dann ist es oft auch nicht mehr so einfach, diese Leute eindeutig zuzuordnen."
Angesichts der Tatsache, dass die Familie als kleinste Gesellschaft, als erster Hauptbezugspunkt dem Nachwuchs die von ihm gesuchte Bestätigung nicht mehr geben könne, suche er an anderer Stelle danach und werde unter anderem bei Rechtsextremen fündig. "Dort gibt es dann neben der Anerkennung eine Aufgabe und die Vermittlung von Werten, so zweifelhaft sie sein mögen", sagt die Sachgebietsleiterin. Auch die Rechtsextremen nutzten den Umstand, dass die Gesellschaft vielen jungen Leuten keine Perspektive bieten könne und entwickelten ganz klare Feindbilder: "Ob nun zum Beispiel Ausländer oder Politiker - es wird immer ein Schuldiger gesucht und gefunden."
Bei der Tagung habe sich eine Diskussion darüber entwickelt, welche Wertevorstellungen Jugendlichen heute vermittelt werden und inwieweit sich dies auf den Zulauf von extremen Bewegungen auswirkt. "Jeder sollte, muss sich selbst fragen, was er Kindern und Jugendlichen vorlebt", meint Britta Gnadke. "Leider merken auch wir in unserer täglichen Arbeit, dass selbst in vielen Familien als wichtigstem Bezugspunkt die Verantwortungsbereitschaft und das Bewusstsein, was es heißt, Kinder zu erziehen, gar nicht vorhanden ist." Oft hänge dies mit Überforderung der Eltern durch die Arbeit bzw. Arbeitslosigkeit und in geistiger Hinsicht zusammen.
Generell stehe mittlerweile das Materielle viel zu sehr im Vordergrund. "Die Haltlosigkeit vieler Jugendlicher resultiert auch daraus, dass wichtige Dinge wie Grenzen, miteinander reden und Respekt immer weniger gelten", so die Jugendpflegerin. "Recht hat zunehmend, wer sich körperlich durchsetzt."
Ilja Baatz
Schweriner Volkszeitung-Parchim
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