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28.12.2002
Binzer laufen gegen Wehrmachtschau Sturm - Parlament lehnt Ausstellung in Prora zur Saison 2003 ab
Seit es sie gibt, hat sie geteilte Meinungen auf sich gezogen - die Wehrmachtsausstellung des Hamburger "Instituts für Sozialforschung". Nun soll die Schau 2003 in Prora gezeigt werden. Binz ist dagegen.
Prora/Binz (OZ) Es wäre für Binz "tourismusschädigend hoch zehn", sagt Bürgermeister Horst Schaumann. Und spricht dabei nicht von gigantischen Windparks oder einer Fischfabrik am Rande der Bucht. Es geht lediglich um eine Ausstellung, die in der kommenden Saison in Prora gezeigt werden soll. Die umstrittende Wehrmachtsausstellung des von Jan Phillipp Reemtsma geführten Hamburger "Instituts für Sozialforschung" will Jürgen Rostock von der Stiftung "Neue Kultur" nach Rügen holen. Richtig freuen mag sich von offizieller Seite niemand. Per Abstimmung hat die Binzer Gemeindevertretung ihr Unbehagen zum Ausdruck gebracht. "Mir geht's um die Sicherheit", sagt Bürgermeister Schaumann. Demonstrationen oder Krawalle von Rechten, wie es sie an anderen Ausstellungsorten gegeben hat, wären in Prora möglicherweise schwer in den Griff zu bekommen. Die daraus folgenden Schlagzeilen würden die Urlauber vergraulen. Gegen die Ausstellung habe man ja nichts, aber bitteschön nicht auf Binzer Territorium. Diese Meinung stimmt hundertprozentig mit der von Harald Schewe überein. Der Binzer Hotelier und Gemeindevertreter befürchtet durch mögliche Randale ein Negativ-Image für die gesamte Insel. Selbst die benachbarten Museumsbetreiber wollen in diesem Fall Geschichtsbewältigung einfach mal Geschichtsbewältigung sein lassen und sorgen sich um Ordnung und Sicherheit rund um den Koloss.
Nicht zu Unrecht, wie der frühere Landtagspräsident Hinrich Kuessner meint. Er hat die Ausstellung bereits in Kiel gesehen und hält sie für "gut und notwendig" und Prora noch nicht einmal für den schlechtesten Ort. Als Präsident des Landestourismusverbandes hat er allerdings Bedenken gegen den Zeitpunkt. Denn in direkter Nachbarschaft zur Wehrmachtsausstellung plant die Landesregierung das Jugendtreffen "Prora 03" mit etwa 15 000 Teilnehmern. Auf der einen Seite die Jugend in Europa für das Land und die Welt für die Olympiaregion begeistern zu wollen, andererseits Bilder und Schlagzeilen von möglichen rechten Aufmärschen und Krawallen zu liefern, passt für Kuessner nicht zusammen. Ministerpräsident Harald Ringstorff dementierte gestern, dass er sich gegen die Schau in Prora ausgesprochen habe. Er halte sie für sinnvoll, ließ die Staatskanzlei verlauten; Ort und Zeit zu bestimmen sei nicht seine Entscheidung. Ähnlich sieht es auch Landrätin Kassner. "Ich bin dafür, dass wir das zeigen", sagte sie verbunden mit dem Wunsch, dass möglichst viele Rüganer die Ausstellung zu sehen bekommen und es einen Konsens über das Wie und Wann gebe. Verbieten kann sie die Schau genauso wenig wie die Gemeinde Binz.
Für Jürgen Rostock besteht dazu auch gar kein Grund. Statt der Nachteile sieht er viele Vorteile, die die Reemtsma-Ausstellung der Insel bringen würde. Die Auseinandersetzungen der Gegner seien die eine Seite. Die andere seien lange Besucherschlangen an fast allen bisherigen Ausstellungsorten. Wer die Dokumente bislang nicht sehen konnte, hätte dazu im Urlaub auf Rügen Gelegenheit. "Es kann also auch positive Auswirkungen auf den Tourismus geben." Die ehemalige Sporthalle haben die Ausstellungsmacher mehrmals mit Sicherheitsexperten und Baufachleuten begutachtet und für geeignet befunden. Eine Absage an die Wehrmachtsausstellung käme seiner Meinung nach in gewisser Weise einem Erfolg für die rechten Kräfte gleich. Auf jeden Fall wäre es ein Verlust für das Land. Prora ist in der Aufzählung der Stationen der bis 2004 wandernden Schau der einzige Veranstaltungsort in M-V.
MAIK TRETTIN
Ostseezeitung-Rügen
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