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16.12.2002
Togolese sammelt Erfahrungen - Politischer Flüchtling aus Westafrika lebt nun in Altentreptow und hat Asylantrag gestellt

Von unserem Mitarbeiter Matthias Lanin

Altentreptow. Während der Winter bei den Altentreptowern in den vergangenen Tagen Frösteln bewirkte, fühlt sich ein weitgereister Gast der Region wie am Nordpol. Der Asylbewerber Anowaty Adjoh-Komlan, der im westafrikanischen Togo geboren ist, erlebt zum ersten Mal die kalte Jahreszeit. In seinem nahe dem Äquator gelegenen Heimatland sind 10 Grad Celsius - wohlgemerkt Plusgrade - die kälteste Temperatur des Jahres. "Statt der Jahreszeiten haben wir nur Trocken- und Regenperioden", schildert Anowaty in gebrochenem Deutsch die Wetterlage in seinem Vaterland.

Wenn der Asylbewerber an seine Heimat denkt, durchfluten ihn gegensätzliche Gefühle. "Ich vermisse meine neunjährige Tochter und meine Frau", sehnt er sich zurück. Seine Freunde, die Verwandten und die flimmernde Hitze, die bei jeder Bewegung spürbar ist, fehlen ihm ebenfalls. Anowaty Adjoh-Komlan ist nicht freiwillig im Exil. "Das ist die andere Seite der Medaille, wenn ich an Zuhause denke". Seine Stimme wird kälter, als der Afrikaner erklärt, dass die politische Lage in seiner Heimat ihn zur Flucht gezwungen hat.

Präsident Gnassingbé Eyadèma, der 1967 durch einen Militärputsch an die Macht kam, diktiere das Geschehen in dem kleinen Land. Nach Berichten der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" geht das Staatoberhaupt mit allen Mitteln gegen die Demokratiebewegung, die seit den neunziger Jahren an Einfluss gewinnt, vor.

Noch nie Schnee gesehen

Der in Altentreptow lebende Asylbewerber bekam den Druck des Regierungschefs am eigenen Leib zu spüren. "Ich habe mich aus Überzeugung für die sozialdemokratische Partei engagiert. Ich habe zwar schon immer deutlich gemerkt, mit welchen Methoden unser Präsident seine Meinung durchsetzt, doch im Januar diesen Jahres richtete sich die Macht der Regierung gegen mich persönlich", erzählt Anowaty. Er sei Leiter eines Wahlbezirks in der Hauptstadt Lome gewesen. "Wir haben gerade die Listen der Wähler angefertigt, als ein General samt Mannschaft reinmarschierte und uns vorgeschriebene Namensregister übergab. Die sollten wir in die offizielle Liste übernehmen". Das habe Anowaty Adjo= h-Komlan nicht zugelassen, denn es wäre ein Rückschlag für die aufkeimende Demokratie im Land gewesen. "Danach haben Soldaten meine Wohnung zweimal durchsucht und ich bin nach Ghana geflohen, weil ich Angst um meine Familie hatte", erzählt er weiter. Dann nach Nigeria und schließlich nach Deutschland.

"Wenn Eyadèma seine Machtposition verliert, gehe ich sofort zurück", gibt Anowaty zu. Altentreptow sei für ihn ein Ort des Kennenlernens. "Vieles habe ich schon an der Tollense gelernt." Unter anderem besucht der politische Flüchtling aus Afrika einen Sprachkurs in der Kreisstadt Demmin.

Eine Erfahrung, die er vielleicht in diesem Winter noch erlebt, kenne er nur aus der Erzählung. "Ich habe in meinem Leben noch niemals Schnee gesehen", sagt Anowaty Adjoh-Komlan.

Nordkurier-Altentreptow

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