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14.12.2002
Zivilcourage am Stammtisch - Jugendliche diskutierten in Stralsund über Gewalt, Rechtsextremismus und Politik
Stralsund (OZ) "Weck mich bitte auf aus diesem Albtraum, Leute sehen vor lauter Bäumen den Wald kaum", schallt es aus den Boxen in Hörsaal Nummer 2 der Fachhochschule. Es ist der Rapper Sammy Deluxe, der seine Desillusionierung hitparadenkompatibel verpackt hat.
Dr. Wilfried Schubarth, Erziehungswissenschaftler der Uni Greifswald, lässt ihn während seines Vortrags über Jugend und Politik per Tonband zu Wort kommen. Die Stimmung der etwa hundert Jugendlichen, ist nach der musikalischen Abwechslung aufgelockert genug, um miteinander ins Gespräch zu kommen.
Bei der Jugendkonferenz des Xenos-Projektes gegen Fremdenfeindlichkeit hagelt es Beschwerden, besonders über das Schulsystem: Seien es schuleigene Sozialpädagogen, Gelder oder Lehrkräfte - an allem mangele es. Wer etwas verändern will, kann selbst aktiv werden. In den vier Workshops am Vormittag erfährt man, wie das geht - und wie nicht.
Martina Renken-Kirchhoff von der Kooperationsstelle für Wissenschaft und Arbeitswelt in Mecklenburg-Vorpommern (KOWA), unter deren Regie das von der EU unterstützte Xenos-Projekt läuft, will mit der Jugendkonferenz einen Stein ins Rollen bringen: "Politikverdrossenheit kann leicht in Rechtsextremismus umschlagen. Die Jugendlichen sollen erfahren, dass sie ganz und gar nicht machtlos sind."
Eben jene scheinbare Ohnmacht ist es, der die Workshops beikommen wollen. Kriminaloberkommissar Mike Spade klärt über die rechte Szene auf, die Studentinnen Ulrike Apitzsch und Anke Petzold bieten ein Zivilcourage-Training an, und Daniela Gelzinnus widmet sich der Auseinandersetzung mit sogenannten Stammtischparolen. "Meistens reicht einfaches Hinterfragen, um ein Vorurteil zu enttarnen," rät die KOWA-Praktikantin.
Wer in der Kommunalpolitik mitmischen will, konnte die "Wismargören", eine Initiative für Jugendpolitik, fragen. Die Wismaraner ließen sich nicht von achselzuckendem Selbstmitleid beeindrucken: "Seid nicht wunschlos unglücklich, macht Druck. Notfalls müsst ihr euer Anliegen beim Bürgermeister persönlich vortragen."
EVA-MARIA LEMKE
Ostseezeitung-Stralsund
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