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12.12.2002
Die angstvolle Erinnerung an das Feuer - Eineinhalb Wochen nach dem Brand im Zirchower Asylbewerberheim wachsen die Probleme in der Unterkunft
Von unserem Redaktionsmitglied Christian Kunst
Zirchow . "Bitte machen Sie keine Fotos", sagt die kleine Frau mit den blonden Haaren. Gajane Grigorian ist verunsichert - das kann man von ihren Augen ablesen. Die gebürtige Armenierin sitzt auf einem Sofa in ihrem etwa 20 Quadratmeter großen Zimmer im Zirchower Asylbewerberheim. Den winzigen Raum teilt sie sich mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen, die neben den Eltern in einem Etagenbett schlafen müssen. An der Seite von Frau Grigorian sitzt Heriknas Ghukasova, Mutter von drei Kindern aus Aserbaidschan. Auch sie hat diesen ängstlichen Blick.
Immer noch unter Schock
Was die beiden Frauen so aus der Ruhe bringt, ist die Erinnerung an das Feuer im Asylbewerberheim vor gut eineinhalb Wochen. Seitdem wohnen sie zusammen mit 18 weiteren Asylbewerbern in dem zweiten Haus gegenüber der Brandruine. Die anderen 29 Heimbewohner sind seitdem in Anklam untergebracht.
"Wenn es im Flur etwas lauter wird, fangen meine Kinder an zu weinen. Sie sind immer noch sehr ängstlich. Auch ich kann nachts nicht mehr schlafen", sagt die 34-jährige Aserbaidschanerin. Sie stand in der oberen Etagenküche, als in einem Raum des Stockwerks das Feuer ausbrach. Doch die Mutter hatte Glück im Unglück: Ihr Zimmer blieb verschont von den Flammen, so dass Familie Ghukasova alle ihre Habseligkeiten in Sicherheit bringen konnte.
Da ist es ihrer armenischen Zimmernachbarin Grigorian schlimmer ergangen. In ihrem Raum hatte das Feuer, das ihr 14-jähriger Sohn Howik entdeckte, seinen Ausgang genommen. Auch seine Mutter steht immer noch unter Schock: "Wenn ich manchmal die Tür öffnen möchte, zittern meine Hände."
Durch das Feuer hat die Familie alles verloren. Nur dank der Hilfsbereitschaft von Bürgern aus den umliegenden Gemeinden haben sie jetzt überhaupt etwas zum Anziehen. "Dafür bin ich sehr dankbar", sagt Frau Grigorian. Dennoch will sie Zirchow so schnell wie möglich verlassen - vor dem Brand hatte sie bereits eine Zusage für eine Wohnung in Ahlbeck. Doch vorerst muss sie bleiben, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.
Kein Verständnis
Sehr viele der Asylbewerber möchten dem Heim in Zirchow am liebsten den Rücken kehren. Denn durch die neuen Bewohner sind die Verhältnisse unerträglich geworden. "Eigentlich ist die Unterkunft für 54 Menschen ausgelegt; jetzt leben hier 74 Asylbewerber. Dadurch hat jeder weniger als die vorgeschriebenen sechs Quadratmeter", sagt die stellvertretende Heimleiterin Elke Dalz. Außerdem seien durch den Brand alle Freizeiträume abgebrannt und der Kindergarten, "der gerade erst ins Laufen gekommen ist". Zerstört wurde auch der Schulraum, in dem die Erwachsenen Deutsch lernten und die Kinder Hausarbeiten machen konnten.
Angesichts dieser Probleme hat Heimleiterin Änne Rohr kein Verständnis für die von der CDU entfachte Diskussion um eine Überfrachtung. In Anklam habe es doch nie Probleme gegeben. Eines ist für sie jedenfalls klar: Wenn der Kreis nicht bald eine Lösung findet - "dann knallt es hier".
Nordkurier-Usedom
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