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13.12.2002
"...und kein einziger hat Hilfe geholt" - Spontane Spendenaktion für Gewaltopfer während Civitas-Konferenz - Projekte gegen Rechts trafen sich in Schwerin

Schwerin Zivilcourage ist in Mecklenburg-Vorpommern leider noch nicht an der Tagesordnung. Als ein griechischer Gastronom von rechten Schlägern verprügelt wurde, hat niemand aus der Nachbarschaft Hilfe geholt. Die Teilnehmer der Fachkonferenz gegen rechts starteten jetzt eine Spendenaktion für das Opfer rechter Gewalt.

"Alle kamen in mein Restaurant zum Essen. Doch als die Schlägertrupps anrückten, gingen in der Nachbarschaft die Jalousien herunter und kein einziger hat Hilfe geholt." Der Boizenburger Koch Joannis Kalionikidis leidet noch heute - Jahre nach der Tat - unter den Folgen der Gewalt. Und das nicht nur körperlich. Der Grieche sagte den 120 Teilnehmern der Fachkonferenz "Rechtsextremismus als Herausforderung für Mecklenburg-Vorpommern" im InterCityHotel, dass er gern Anfang der 90er-Jahre aus Nordrhein-Westfalen nach Mecklenburg gekommen sei. "Nach diesen schrecklichen Erlebnissen aber werde ich zurück nach Köln gehen", sagte Kalionikidis.

Auch wenn jüngst vorgelegte Zahlen der Greifswalder Universität einen Rückgang rechtsextremistischer Einstellungen in Mecklenburg-Vorpommern bilanzierten, "Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement sind leider noch nicht auf der Tagesordnung", sagte Sabine Klemm, Netzwerkkordinatorin des Civitas-Projektes beim Stadtjugendring, der die Fachkonferenz organisiert hatte. Neben der wichtigen präventiven Arbeit müsse aber auch mehr für die Opfer rechter Gewalt getan werden, so der Tenor der Tagungsmitglieder. Spontan beschlossen sie, gemeinsam mit der landesweiten Opferberatung "Lobbi e.V." eine Spendenaktion zugunsten Kalionikidis' zu starten. Wer helfen möchte, kann sich an Lobbi e.V. wenden, Telefon 03841-33453.

Die 120 Experten aus den vom Bund geförderten Programmen Civitas und Xenos diskutierten an den beiden Tagen auch über Perspektiven der Erwachsenenbildung, Gedenkstättenarbeit und über Strategien gegen die zumeist verdeckt agierende Neonazi-Szene. Innenminister Gottfried Timm ermutigte die Teilnehmer, ihr Engagement zu verstärken und sagte auch die finanzielle Unterstützung der Landesregierung zu. Schließlich gelte es täglich, vor allem bei Jugendlichen Vorurteile gegen Fremde abzubauen.

Schweriner Volkszeitung-Schwerin

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