|
12.12.2002
Studenten geben keine Ruhe - Proteste gegen Kürzungen in Schwerin und Rostock
Schwerin (OZ/schm) Vorweihnachtliche Bescherung gestern vor dem Schweriner Schloss. Pünktlich zur Regierungserklärung von Ministerpräsident Ringstorff protestieren hunderte Studenten von Universitäten und Fachhochschulen aus M-V gegen Sparpläne der Regierung im Bildungsbereich. Die Demonstranten fordern mehr Geld für die Absicherung der Hochschularbeit sowie zukunftsfähige Bildungs-Konzepte. Die Studenten zeigten der Landesregierung die Rute für deren geplante Stellenkürzungen an den Hochschulen im Land. Der Weihnachtsmann kam unter dem Motto "Wir bringen die Kohle" mit einem Sack als Geschenk. Kerzen wurden angezündet, damit dem Landtag ein Licht aufgehen möge: Personalkürzungen würden Studenten aus dem Land treiben, sagte die Rostocker Studentenrats-Präsidentin Claudia Fichelmann.
In den Hochschulstädten von M-V protestierten gestern ebenfalls die Studenten. In Rostock zogen nach AStA- Angaben über 2000 durch die Innenstadt. Mit Losungen wie "Wir lassen uns nicht blödsparen!" und "Keine Bücher? Keine Bildung!" Im Januar wollen die Rostocker in Bussen und Straßenbahnen Vorlesungen abhalten.
An der Neubrandenburger Fachhochschule hielten Studenten einen Protestdienst ab. "So wie ein Gottesdienst aufgezogen", sagte Gunnar Voß vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA). Sie hätten ein Willensbekenntnis für Bildung in M-V abgegeben und umgedichtete Weihnachtslieder gesungen. "Zum 18. Dezember haben wir Bildungsminister Metelmann und Finanzministerin Keler zur Diskussion in die Mensa eingeladen", kündigte Voß an.
An der Fachhochschule Stralsund läuft seit Montag eine Protestwoche, u. a. mit einer 24-Stunden-Vorlesung. Noch bis morgen dauert eine einhundertstündige Mahnwache für Bildung an.
Ostseezeitung
|
|
12.12.2002
Studenten warnen: Bildung geht baden - 2000 Demonstranten zogen durch Rostock
Die Studierenden im Land sind nicht gewillt, Kürzungen und drohenden Stellenabbau hinzunehmen. Gestern trugen nach Angaben der Organisatoren mehr als 2000 von ihnen in Rostock ihren Protest auf die Straße, um gegen die Politik der Landesregierung zu protestieren. Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Transparenten machte sich der Demonstrationszug in der August-Bebel-Straße auf den Weg, um die Innenstadt zu umrunden.
Bis zu 250 Stellen könnten in den kommenden Jahren an der Universität Rostock wegfallen, sieht Steffen Freiberg als Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) die Qualität von Bildung und Forschung in Gefahr. Die Universität produziert Existenzgründer, Führungskräfte und bildet Lehrer aus, so Steffen Freiberg. Da sei es der falsche Weg, ausgerechnet hier den Rotstift anzusetzen. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass angesichts der Diskussion um das schlechte Abschneiden bei der PISA-Studie beispielsweise bei der Ausbildung derer gespart wird, die nachher die Schüler unterrichten. Aber auch Kürzungen bei der Beschaffung von Büchern, jetzt schon fehlende Dozenten oder die Raumnot in der Philosophischen Fakultät wurden kritisiert. "Bildung geht baden" hieß eine Slogan der Demonstranten, die nicht nur das eigene, sondern auch das Studium zukünftiger Studenten-Generationen im Blick haben.
Bei der Abschlusskundgebung wurde die Landesregierung aufgefordert, mehr Geld für die Hochschulen des Landes bereit zu stellen. Rückendeckung bekommt der Studentenprotest auch von Rektor Prof. Hans Jürgen Wendel. "Soll ich etwa dafür sein, dass die Uni kaputt gespart wird...", sagte er vor der Demo. Zwar marschierte er nicht mit, aber durch die kurzfristige Umwidmung des Tages zu einem "Dies Academicus" fielen am Nachmittag alle Vorlesungen und Seminare aus.
Thomas Niebuhr
Norddeutsche Neueste Nachrichten
|