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12.12.2002
Das Unfassbare bekam ein Gesicht - Schweriner Schüler besuchten Gedenkstätte Wöbbelin
Wöbbelin Oft hört man von Aufmärschen der Nazis, die es vor 60 Jahren in Deutschland gab, und die viel Verderben über Europa brachten. Mit diesem Thema beschäftigten sich Achtklässler in der Gedenkstätte Wöbbelin.
Bereits seit einem Jahr beschäftigen wir (die Klassen 8b und 8c des Herder-Gymnasiums) uns immer wieder mit der Herrschaftszeit der NSDAP und führten Projekte zu diesem Thema durch. So lasen wir das "Tagebuch der Anne Frank" und stellten auf Wandzeitungen vor, was wir über das damalige Leben, die Nazi-Gegner sowie die Diskriminierung und Vernichtung der europäischen Juden herausgefunden hatten. Zum Abschluss fuhren wir nun in die Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin. Dort besuchten wir die Ausstellung "Theodor Körner. Poet und Patriot" und " Zehn Wochen KZ-Außenlager Wöbbelin."
Zuerst besichtigten wir das Grab von Theodor Körner und erhielten Informationen zu seinem Leben und zum politischen Missbrauch seiner Gedichte. Dann erklärte uns die Leiterin der Gedenkstätte Allgemeines über das Außenlager in Wöbbelin.
Erschreckende Originalaufnahmen der Lagerbefreiung durch die Amerikaner zeigte der Film "Die Gräber von Ludwigslust". Hauptsächlich ging es um die Restaurierung der Grabstätten in Ludwigslust. Erst 2001 wurden neue Grabsteine für die 200 KZ-Toten aus Wöbbelin aufgestellt.
In Arbeitsgruppen informierten wir uns zu verschiedenen Themen: Die erste beschäftigte sich mit Häftlingsschicksalen, die zweite mit weiteren KZ-Außenlagern in Mecklenburg-Vorpommern. Die dritte Gruppe setzte sich mit dem Lebensalltag von Häftlingen auseinander, und die vierte forschte über die Täter, Mitschuldigen und Verantwortlichen für Verbrechen in den Konzentrationslagern. Die fünfte Gruppe befasste sich mit der Erinnerungskultur und zeigte, wo getötete Insassen des Außenlagers Wöbbelin beigesetzt wurden und was noch an die Toten erinnert. Die sechste Gruppe dokumentierte den Tag.
Nachdem wir alle unsere Aufgaben erledigt hatten, fuhren wir in ein vier Kilometer entferntes Waldstück, wo sich einst das KZ befand. Viel konnten wir dort allerdings nicht sehen, weil sich jahrzehntelang niemand um diesen Erinnerungsort kümmerte. Auf dem ehemaligen Lagergelände wurde sogar Wald aufgeforstet.
Schließlich fuhren wir nach Ludwigslust, um uns die 200 Grabstätten der unbekannten KZ-Toten aus Wöbbelin, die im Film schon gezeigt worden waren, anschauen zu können.
Jetzt werden wir im Deutschunterricht die Ergebnisse der Projektaufgaben vorstellen und die Eindrücke dieses Tages noch einmal Revue passieren lassen. Bei den nächsten Bildern von Aufmärschen der Rechten werden wir uns sicher an das erinnern, was wir über die Zeit zwischen 1933 und 1945 gelernt haben.
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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