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04.12.2002
"Paradiesische Zustände" in einzelnen Bereichen abbauen - Interview mit MdL Mathias Brodkorb zur Finanz-Situation der Universitäten
Rostock (OZ) Stadtmitte. Mathias Brodkorb betreffen die geplanten Kürzungen an der Universität in doppelter Hinsicht. Der 25-Jährige ist SPD-Abgeordneter im Schweriner Landtag und Student in der Hansestadt.
OSTSEE-ZEITUNG: Sitzen Sie zwischen zwei Stühlen?
Mathias Brodkorb: Das ist eine verflixte Kiste für mich. Aber vielleicht ermöglicht mir das einen differenzierten Blick auf die Sache.
OZ: Was kann die Universität Rostock tun, um zu sparen?
Brodkorb: Für mich stellen sich mehrere Fragen. Erstens: Zwischen einzelnen Fachbereichen gibt es ein riesiges Gefälle. In Zahlen: Das Institut Anglistik/Amerikanistsik hat etwa 170 Studenten pro Professor. Das Institut für Germanistik hat 70. In Physik und Chemie kommen dagegen auf einen Profesor 13 Studenten. In Maschinenbau etwa 18. Warum geben diese geradezu paradisisch ausgestatteten Bereiche nicht an die anderen etwas ab. Zweitens: Baut man Verwaltung ab oder wissenschaftliche Stellen? Da würde ich sagen: Eher Verwaltung. Drittens und das ist es ein bisschen provokant: Gehört alles, was an der Universität angeboten wird, auch dorthin? Das gilt zum Beispiel für Teile der Betriebswirtschaftslehre und Juristenausbildung. Viertens: Für mich ist eine mögliche Fusion zwischen dem Städtischen- und dem Universitätsklinikum nach wie vor diskussionswürdig.
OZ: Sind die Studenten in ihrer Gesamtheit zu unpolitisch? Es beteiligt sich nur ein Teil am Protest, aber es betrifft alle.
Brodkorb: Erstmal ist es gut, dass 2000 Studierende sagen, wir müssen uns Gedanken machen. Wobei auffällig ist, dass es sich vor allem um Studierende der Philosphischen und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät handelt. Das ist kein Zufall, die Zahlen habe ich genannt. Um die Finanzministerin zu überzeugen, müssen sie aber bessere Argumente haben als: Rostock ohne Studenten ist wie Hansa ohne Fans. Ich würde es charmant finden, wenn die Studenten eine Kampagne anschieben: Vermögensteuer statt Studiengebühren. Die Einnahmen könnten in den Bildungssektor fließen.
OZ: Was halten Sie von einer Fusion der beiden Universitäten im Land?
Brodkorb: Unsere Universitäen können nur attraktiv sein und auf hohem Niveau arbeiten, wenn sie Volluniversitäen bleiben. Das spricht nicht gegen fachlich sinnvolle Kooperationen.
Interview: DANIEL KREUSCH
Ostseezeitung
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