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27.11.2002
Probleme mit gewaltbereiten Aussiedlern in Anklam - Jugendliche in Pkw gezerrt und zusammengeschlagen - Mentalität des Abschottens macht Ermittlungen schwer


Von unserem Redaktionsmitglied Siegfried Denzel

Anklam . Bislang waren Probleme mit gewaltbereiten Aussiedlern aus den Staaten der früheren UdSSR nur aus größeren Städten bekannt - nun aber ist auch Anklam betroffen. Vor allem junge Männer sind es, die auffallen: Abends sollen bereits mehrere Jugendliche von den Aussiedlern in Autos gezerrt und zusammengeschlagen worden sein.

Die Polizei tut sich mit ihren Ermittlungen jedoch schwer: "Wir müssen davon ausgehen, dass es bereits zu mehreren Auseinandersetzungen gekommen ist", bestätigt Direktionssprecher Axel Falkenberg. Jedoch erstatteten die Opfer bislang keine Anzeige: "Wir haben einige Aussagen bekommen, wonach man das unter sich ausmachen will."

Einen ersten öffentlichen Hinweis auf die Probleme gab's indes durch die Schlägerei vor dem "Club" in der Friedländer Landstraße: Wie berichtet, hatte sich vor gut einer Woche ein 16-Jähriger nach dem Rausschmiss aus der Disko Verstärkung organisiert und danach zwei Ordner sowie einen Gast mit Knüppeln und Schlagringen misshandelt. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei dem Jugendlichen um einen Aussiedler aus Weißrussland, der bei der Polizei lange schon kein unbeschriebenes Blatt mehr ist: Sieben Mal sei er bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten - wegen Ladendiebstahls, Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung, sagt Falkenberg.

"Der denkt nicht nach, der schlägt zu", beschreibt auch Albrecht Süptitz vom evangelischen Jugendgemeinschaftswerk den mutmaßlichen Haupttäter. Süptitz ist Aussiedler-Beauftragter - und hat trotz seiner intensiven Bemühungen um die deutschstämmigen Zuwanderer kaum Zugang in die Kreise der jungen Männer: "Die Mentalität des Abschottens ist stark ausgeprägt." Doch Süptitz hat von den Gewalttätigkeiten bereits einiges gehört - auch davon, dass mancher wohl mit Drogen zu Geld kommt: "Wenn junge Männer, die eigentlich Sozialhilfeempfänger sind, plötzlich mit teuren Autos kommen, kann das nichts Erworbenessein." Mit dieser Aussage bezieht er sich vor allem auf die Bereiche Torgelow und Greifswald - dass es in Anklam inzwischen genauso sein soll, sei ihm zwar neu. Doch ohne dass die Polizei Drogendelikte ausdrücklich bestätigen will, sagt Falkenberg auf entsprechende Nachfrage: "Da geht's um handfeste Geschäfte."

Auffallend ist die gute Organisation: "Ruckzuck werden per Handy 20 bis 30 Leute zusammengerufen", heißt es aus informierten Kreisen. Verstärkung werde dabei auch über Kreisgrenzen hinweg angefordert. Übrigens soll dieser Zusammenhalt in der Region zu einem "Waffenstillstand" zwischen Aussiedlern und Rechten geführt haben: "Es hat im Vorfeld schon genug Kloppe gegeben. Aber jetzt sind beide gleich stark", verlautet von mehreren Seiten. Folge dieses Patts sei bei den Rechten eine Neu-Definition: Für sie seien Aussiedler nun keine "Russen" mehr, sondern "Heim ins Reich gekehrte Volksgenossen".

Nordkurier-Anklam

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