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25.11.2002
Präventive Kräfte knüpfen Netz gegen Intoleranz - Ausstellung über Jugend-KZ kommt in Landkreis
Ostvorpommern (as). In der ostvorpommerschen Jugendarbeit fehlt es den Mitarbeitern oft an ausreichendem Sachwissen, um mit rechtsextrem eingestellten Jugendlichen zu argumentieren. Dieser Hilferuf von Silvana Kinedt, Mitarbeiterin des ASB-Kreisverbandes, war nur einer von vielen Hinweisen, die zur Sprache kamen, als sich etwa 100 Sozialarbeiter, Lehrer, Polizisten und andere bei einer Konferenz in Züssow trafen, um über präventive Jugendarbeit zu sprechen (wir berichteten).
In sechs Workshops arbeiteten die Teilnehmer an verschiedenen Themen. So stand die Geschichtsarbeit mit Jugendlichen auf dem Plan, aber auch die interkulturelle Arbeit mit Schülern, die Unterschiede bei der Jugendarbeit mit Mädchen und Jungen, die Möglichkeiten der Schulen und die Betreuung von Gewaltopfern. Ein Seminar beschäftigte sich auch damit, wie sich Jugendliche verhalten sollen, wenn ihr Klub rechts dominiert wird. Während der Workshops und auch danach sind viele kleine Einzelprobleme zur Sprache gekommen. So die Forderung nach einem Seminar zur politischen und historischen Bildung, aber auch jene nach der Arbeit mit Erwachsenen, wie es der Jugenddiakon Albrecht Süptitz formulierte: "Kinder sind ein Produkt der Gesellschaft. Wenn wir was für mehr Demokratie und mehr Zivilcourage tun wollen, dann müssen wir auch mit den Erwachsenen arbeiten.
"Der Geschichtsworkshop wird eine schnelle und konkrete Folge zeitigen: Anfang des nächsten Jahres wird eine Ausstellung über zwei Jugend-KZ nach Ostvorpommern geholt werden, kündigte Piet Oltmanns von Bündnis Bunt statt Braun an. Zudem habe man viele Materialien bestellt, die Schulen und andere von ihnen beziehen könnten.
Neue Partner gefunden
Der ASB-Kreisverband entsandte gleich sechs Mitarbeiter zu den Workshops, um sich zu den verschiedensten Themen schlau zu machen, sagte ASB-Kreis-Chefin Monika Gawrilowicz. Dabei habe man nicht nur neue Anregungen mitnehmen können, sondern auch Bestätigung für Herangehensweisen gefunden, die der ASB bereits praktiziere - siehe Sport statt Gewalt. "Und wir haben hier etwas unsere Schwachstellen erfahren, aber auch neue Partner kennen gelernt", so Gawrilowicz. Genau darin liege der Sinn der Veranstaltung, erklärt Thomas Heppener, Sprecher der AG Netzwerke gegen Rechtsextremismus, die das Seminar gemeinsam mit dem Landespräventionsrat und dem Anklamer Bündnis Bunt statt Braun organisiert hatte. Alle präventiven Kräfte sollten sich kennen lernen und Erfahrungen austauschen, sagt Heppener. "Wir brauchen alle mehr Mut für schwere Situationen", meint er. Gemeinsam könne man viel mehr bewegen. Und wie notwendig die präventive Arbeit sei, zeige der jüngste Mordfall in der Uckermark, bei dem rechte Jugendliche einen 16-Jährigen töteten, weil ihnen dessen Hose und Frisur nicht gefielen.
Nordkurier-Anklam
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25.11.2002
Aktivitäten gegen rechts tragen Früchte - Workshop vereinte 80 Enthusiasten
Züssow (OZ) In Ostvorpommern müssten sich mehr Kommunalpolitiker gegen Rechtsextremismus positionieren, forderte der Geschäftsführer des Landesrates für Kriminalitäts-vorbeugung, Martin Schlender, auf einer Präventions-Tagung in Züssow. Zumal seiner Beobachtung nach Vorpommern ein Schwerpunkt rechtsextremer Aktivitäten sei. Im Landkreis gibt es neben dem Präventionsrat des Kreises mal gerade in Wolgast und Heringsdorf/ Ahlbeck Präventionsräte, die den Kampf vor Ort unterstützen.
Am Freitag waren 80 Vertreter von Aktionsgruppen gegen rechts, der Polizei aus Wolgast und Anklam sowie Jugend- und Schulsozialarbeiter zu einem Workshop in die diakonische Tagungsstätte gekommen, um im Gespräch neue Anregungen zur Präventionsarbeit zu erhalten. Schlender zeigte sich über die Zahl hoch erfreut. Das sei zu solchen Themen selten. "Die Gesellschaft braucht Sie", versicherte er den Enthusiasten.
Insgesamt scheine die Präventionsarbeit gegen den Rechtsextremismus erste Früchte zu tragen, konstatierte Schlender. "Aus den Zahlen der Landesverfassungsschutzberichte und der polizeilichen Kriminalstatistik entnehme ich Anzeichen einer spürbaren Beruhigung nach der dramatischen Entwicklung in den neunziger Jahren." Insbesondere habe sich der gesamtgesellschaftliche Ansatz der Präventionsarbeit bewährt. Diese könnten weder Polizei und Justiz, noch Politik, Schule oder Enthusiasten vor Ort allein oder gar gegeneinander leisten, sagte Schlender. Die demonstrative Konfrontation sei nicht der richtige Weg. Die Auseinandersetzung der Polizei mit etwa 150 linksextremen Chaoten beim jüngsten NPD-Aufmarsch in Neubrandenburg beispielsweise habe nur den Rechtsextremen genutzt.
In Arbeitsgruppen tauschten sich die Aktivisten darüber aus, wie Jugendliche für Geschichte zu begeistern seien, wie interkulturelle Arbeit in der Schule umgesetzt werden kann, wie Jugendklubs vor rechter Dominanz bewahrt werden können. Und welche Hilfe Opfer rechter Gewalt erhalten können. Konkrete Ergebnisse gab es aber wenige. Das wichtigste war wohl, dass die Tagung aufzeigte, dass die einzelnen Aktivisten entgegen mancher Behauptung wohl doch nicht allein sind. Ihnen steht ein großes Netzwerk zur Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Man muss nur wissen, wer was anbietet. Und nebenbei hat man sich gegenseitig Mut zum Weiterhandeln gemacht.
Auch im nächsten Jahr unterstützt der Landespräventionsrat Projekte zur Kriminalitätsvorbeugung, speziell gegen rechts. Angesichts der generellen Streichungen sei zwar damit zu rechnen, das der für 2003 beschlossene Etat von 295 000 Euro noch gekürzt wird, dennoch sei genügend Geld vorhanden, sagte Schlender.
EDGAR OFFEL
Ostseezeitung-Greifswald
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