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21.11.2002
Studenten auf den Barrikaden - Gegen drohende Sparmaßnahmen an den Unis haben Studenten gestern in Rostock und Greifswald protestiert

OZ-Bild Greifswald (OZ) "Was ist nun schon wieder los?" Zwei ältere Damen in der Greifswalder Fussgängerzone schütteln die Köpfe angesichts laut pfeifender Studenten, die durch die Innenstadt ziehen. "So was hat es früher nicht gegeben", meinen sie und haben gar nicht so Unrecht.

Parallel zu Protesten in Rostock, wo die Studenten auf Transparenten an der Uni warnten: "Wir lassen uns nicht blödsparen", haben mehr als tausend Studenten und Lehrkräfte der Uni Greifswald gestern gegen Sparmaßnahmen der Landesregierung protestiert. Ungewöhnlich, denn allgemein genießt Greifswald den Ruf des eher gemütlichen Studentenbetriebs. "Ich bin gerne gekommen, um hier BWL zu studieren, versichert Ronny Harders (26), der vor anderthalb Jahren aus Hamburg kam. "Aber wenn das reibungslose Studium nicht mehr gewährleistet ist, dann gehe ich auch wieder." So wie er denken viele. "Angst vor Bildungsnotstand" und "Abwandern?" steht auf den Plakaten der Protestierer. Denn wenn Wirklichkeit wird, was die Studenten befürchten, gibt es demnächst in Greifswald 158 Stellen und in Rostock 140 Stellen für Lehrkräfte weniger. "Dann ist M-V als Studienstandort nichts mehr wert", fürchtet auch Bernhard Stremayr. Der 23-jährige Biochemiestudent kommt aus Bayern. Die Rückkehroption für den Süden hat er, wie die Hoffnung, dass er bleiben kann. Der amtierende Rektor der Greifswalder Uni versuchte die Studenten in dieser Hoffnung zu bestärken. Noch sei die Alma Mater nicht gefährdet. Restriktive Stellenstreichungen würden sie aber nachhaltig beschädigen. Deshalb bemühte er sich in einem Brief an den neuen Kultusminister von M-V, Hans-Robert Metelmann, um Konsens. Metelmann, selbst bis vor kurzem Rektor der Greifswalder Uni, ließ sich allerdings nicht auf Lokalpatriotismus ein. Die Hochschulen seien in einer komfortablen Situation. Ihr Budget steige bis 2006 um jährlich 1,5 Prozent. Mehr sei nicht zu leisten. Nach Angaben beider Unis müssen hingegen nicht nur wegfallende Bundesmittel kompensiert werden, sondern bis 2006 auch Sparvorhaben von fünf Prozent im Haushalt beider Unis.

Bei seiner Kurzvorlesung auf dem Markt bot Roland Hollberg, BWL-Prof aus Greifswald den Politikern gestern ein Seminar in Sachen Wirtschaftskompetenz an. Vielleicht sollten sie es annehmen. "Wir wollen uns hier schließlich nicht umsonst den Hintern abgefroren haben", meinten die Greifswalder Studenten, als sie am frühen Nachmittag wieder brav den Hörsälen zustrebten.

MANUELA PFOHL

Ostseezeitung

21.11.2002
Wir wollen Bildung! - 1500 Studenten demonstrierten gegen ungenügende Uni-Finanzierung

OZ-Bild Greifswald (OZ) "Schwerin du hast uns Profs gestohlen. Gib sie wieder her. Sonst wird dich der Wähler hol'n und will dich nimmermeh-eh-ehr ..." Nicht nur das Kinderlied vom Fuchs, der die Gans stahl, hatten die protestierenden Studenten abgewandelt, um mit Gesängen und Pfeifkonzerten bei einem Demonstrationszug durch die Stadt ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Bereits seit Wochen machen sie auf die schlechte Finanzausstattung der Uni durch das Land aufmerksam, die einen Abbau von 158 Stellen bis 2006/2007 zur Folge hätte. Bei den Zuweisungen ging Schwerin nur von der Ist-Zahl der besetzten Stellen aus. Zu dem Zeitpunkt waren schon allein 40 Stellen nicht besetzt, für die keine Gelder mehr bereit gestellt werden. Außerdem beträgt die jährliche Steigerungsrate 1,5 Prozent, gebraucht werden 3-4 Prozent. Als der Protestzug am Unihauptgebäude vorbeiführte, trat der amtierende Rektor Prof. Jörg Ohlemacher vor die Demonstranten. "Eure Proteste hatten bereits Erfolg", rief er den Studenten zu. Das Land kündigt in allen Bereichen massive Mittelkürzungen an. Einzig ausgenommen davon sei die Bildung. Dennoch sei die derzeitige Lage prekär. Er habe gerade einen Brief an seinen Amtsvorgänger und jetzigen Bildungsminister Hans-Robert Metelmann geschrieben, sagt Ohlemacher. Darin heißt es, er sehe sich außerstande, die geforderten Vorschläge für Eckdaten zur Personalreduktion zu unterbreiten. Die allerdings werden wohl unumgänglich sein, denn die Antwort des neuen Bildungsministers auf die Proteste lautet: "Wir haben den Hochschulen im Land zu einer komfortablen Situation verholfen. Bis zum Jahre 2006 sind die Finanzmittel gesichert und ausdrücklich von Kürzungen ausgenommen." Die jährliche Steigerung beträgt 1,5 Prozent. Von ihm als ehemaligem Rektor und Vorsitzenden der Landeshochschulrektorenkonferenz werde eine besondere Unterstützung der Hochschulen erwartet. "Meine Aufgabe ist es jedoch, die Interessen der Hochschulen und der Landesregierung zu koordinieren. In Zeiten leerer Kassen, kann es keine weitere Erhöhung der finanziellen Zuwendungen geben." Klartext: Trotz aller Proteste sind Stellenstreichungen unumgänglich. Ob da der Brief hilft, der in Kürze von den Studierenden in bei SPD und PDS in Schwerin eintrifft? "Liebe Regierungspartei", heißt es: "Warum nimmst du mir meine Dozenten, obwohl die Studierendenzahlen noch jahrelang steigen werden? Ich stehe in Vorlesungen, verhungere in der Mensa-Schlange, warte auf einen Seminarplatz und habe Ärger mit dem BAföG-Amt, weil ich zu lange studiere. All das, was mich hierher lockte, geht verloren: die familiäre Atmosphäre, der gute Kontakt zu meinen Dozenten und die Qualität der Lehre."

Unter den Demonstranten waren übrigens die beiden früheren Oberbürgermeister Dr. Reinhard Glöckner und Joachim von der Wense. OB König bedauerte, wegen eines anderen Termins nicht mitmarschieren zu können. Dafür hielt sein zweiter Stellvertreter, Senator Bernd Klöver, mit. Abgeordnete aller Bürgerschaftsfraktionen gingen mit den Studenten und einige Dozenten. Das Tee-Kontor schenkte kostenlos heißen Tee aus. Die Greifswalder Getränke GmbH verkaufte zu Mini-Preisen kalte Getränke und das Studentenwerk Suppe.

SILKE ZSCHÄCKEL

Ostseezeitung-Greifswald

21.11.2002
Studenten schlagen Alarm gegen Sparpläne - Proteste in Greifswald - Plakataktion in Rostock

Rostock/Greifswald (ddp/dpa) Studenten in ganz MV läuten die Sturmglocken angesichts drohender Einsparungen an den Universitäten. Während in Rostock über Nacht großformatige Transparente an Unigebäuden gespannt wurden, gingen gestern in Greifswald mehr als 1000 junge Leute auf die Straße. Allein an der Ernst-Moritz-Arndt-Uni sollen 158 Lehrstellen bis 2007 gestrichen werden. Damit stünden ihrer Ansicht nach mehrere Studiengänge auf dem Spiel.

Mit großen Transparenten an allen Universitätsgebäuden protestieren die Rostocker Studenten gegen den geplanten Uni-Sparkurs. Unter dem Motto "Wir lassen uns nicht blödsparen" machen sie auf die Folgen geplanter Stellen- und Etatstreichungen aufmerksam. In den kommenden Jahren sollen den Angaben zufolge mehr als 140 Stellen an der Uni Rostock gestrichen werden, das entspreche dem Personal zweier Fakultäten.

Der Haushalt der Unibibliothek verringere sich darüber hinaus auf 1,1 Millionen Euro, das seien 45 Prozent des aktuellen Etats. Der Bücherbestand könne damit nicht mehr aktualisiert werden. Wissenschaftliches Arbeiten und Lernen würden erheblich schwerer, sagte Fengler.

Bildungsminister Hans-Robert Metelmann (parteilos) versicherte, es werde trotz des Sparpakets keine Kürzungen im Hochschulbereich geben. Die Hochschulen Land befänden sich insgesamt in einer "komfortablen Situation". Die Studenten bezeichneten die 1,5-prozentige Steigerung pro Jahr als nicht ausreichend.

Schweriner Volkszeitung

21.11.2002
Auf Protest folgt Zusage des Ministers - Heute 19.00 Uhr Studentenversammlung in der Mensa - Metelmann: keine Kürzungen

Um 19.00 Uhr ruft heute die Rostocker Studierendenschaft in der Südstadt-Mensa zu einer Vollversammlung. Ein Protest, um die Streichung von 140 Stellen an der Uni zu verhindern.

Viele Rostocker sehen es: Im Laufe der vergangenen Tage haben Teile der Universität ihr Gesicht verändert. Die Aktionsgruppe der Rostocker Studierendenschaft brachte Transparente an Gebäuden der Uni an.

Der Allgemeine Studierendenausschuss - AStA - teilte mit: Das wohl größte Protestplakat des Landes hängt an der Philosophischen Fakultät. An dem Gebäude im Herzen Rostocks wird auf 15 Metern auf die Situation aufmerksam gemacht. "140 Stellen weg?! Dann waren's nur noch..." heißt es hier. Über dem Haupteingang der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in der Ulmenstraße werden die konkreten Kürzungen auf drei großen Transparenten dargestellt und ein Motto des Protests kann betrachtet werden. "Wir lassen uns nicht blödsparen". Am Gertrudenplatz wird gefragt: "Quo vadis - Uni?".

In den kommenden Jahren sollen mindestens 140 Stellen an der Universität gekürzt werden, heißt es beim AStA Rostock. Das entspricht dem Personal zweier mittelgroßer Fakultäten der Universität. Der Haushalt der Bibliothek soll 2003 um 65 Prozent sinken. Das bedeute in Zahlen, dass von 3,5 Millionen Euro nur 1,1 Millionen Euro übrig blieben. Der Studentenausschuss: "Es wird nicht möglich sein, den Bücherbestand auf dem aktuellsten Stand zu halten oder fortlaufende Publikationen wie Fachzeitschriften, zu beschaffen. Wissenschaftliches arbeiten und lernen wird erheblich schwerer. Die Qualität von Studium und Lehre an der Universität Rostock sind massiv bedroht. Das Land wirbt mit guten Studienbedingungen und hoher Qualität von Forschung und Lehre um Studierende. Diese Qualität wird es mit den anstehenden Kürzungen nicht mehr geben."

Inzwischen teilte das Schweriner Fachministerium mit, dass es "auch in Zeiten knapper Kassen keine Kürzungen im Hochschulbereich" gebe. Der neue Bildungsminister Hans-Robert Metelmann: "Bis 2006 sind die Finanzmittel gesichert." Der Hochschulbereich sei "ausdrücklich von Kürzungen ausgenommen". Eine jährliche Steigerung um 1,5 Prozent der Mittel des Vorjahres sei bis 2006 gesichert, hieß es gestern.

Kommentar - Wirkungen

Ach wie oft schon wurde ein Schreckensbild vom Sterben der Universitäten im Land an die Wand gemalt, irgendwie aber renkte sich alles ein. Oder war es das Aufbäumen Rostocker Studenten Mitte der 1990er-Jahre für den Erhalt der Zukunftsinvestition, war es der laute Ruf nach einem sinnvollen Standort für die WiSo-Fakultät und der Kampf um die Zahnmedizin? Sicherlich wird Volkes Stimme Wirkungen gebracht haben, hoffentlich auch im aktuellen Fall. wg

Schweriner Volkszeitung-Rostock

21.11.2002
Studenten läuten Sturm: Proteste gegen Uni- Sparkurs - Bildungsministerium des Landes weist Vorwürfe zurück

Rostock/Greifswald (ddp). Studenten in ganz Mecklenburg- Vorpommern läuten die Sturmglocken angesichts drohender Einsparungen an den Universitäten. Während in Rostock über Nacht großformatige Transparente an Unigebäuden gespannt wurden, gingen gestern in Greifswald mehr als 1000 junge Leute auf die Straße. Die Studenten befürchten die Schließung kompletter Fachbereiche, eine immer schlechter werdende Betreuung sowie miserable Arbeitsbedingungen in mangelhaft ausgestatteten Bibliotheken. Nach Angaben der Greifswalder Studentenvertretung sollen allein an der Ernst-Moritz-Arndt-Uni insgesamt 158 Lehrstellen bis 2007 gestrichen werden. Damit stünden ihrer Ansicht nach mehrere Studiengänge auf dem Spiel. In den langen Demonstrationszug durch die Innenstadt reihten sich auch Einwohner und Kommunalpolitiker ein. Der amtierende Rektor Jörg Ohlemacher sagte, zwar sei der Bestand der Alma Mater nicht grundsätzlich gefährdet. Allerdings sehe sich die Universität außer Stande, für die Erfüllung der staatlich vorgegebenen Eckwerte Vorschläge für Personalreduzierungen zu unterbreiten.
Mit großen Transparenten an allen Universitätsgebäuden protestieren auch die Rostocker Studenten gegen den geplanten Uni-Sparkurs. Unter dem Motto "Wir lassen uns nicht blödsparen" machen sie auf die Folgen geplanter Stellen- und Etatstreichungen aufmerksam. In den kommenden Jahren sollen den Angaben zufolge mehr als 140 Stellen an der Uni gestrichen werden. Der Haushalt der Unibibliothek verringere sich darüber hinaus im kommenden Jahr auf 1,1 Millionen Euro, das seien 45 Prozent des aktuellen Etats. Der Bücherbestand könne damit nicht mehr aktualisiert werden.
Das Landesbildungsministerium wies die Vorwürfe zurück. Die Hochschulen seien von aktuellen Kürzungen des Landeshaushalts nicht betroffen, betonte Minister Hans-Robert Metelmann (parteilos). Der Etat der Universitäten erhöhe sich bis 2006 jährlich um 1,5 Prozent. Die Hochschulen seien in einer "komfortablen Situation" .

Nordkurier

21.11.2002
Mit Humor gegen Schweriner Kürzungspläne - Studenten demonstrieren in der Innenstadt - Satirisches Finale auf dem Marktplatz

Neubrandenburg (ns). "Nur nicht locker lassen!" - so lautet derzeit die Devise für viele Studierende der Fachhochschule. Auch gestern Vormittag fanden sie sich wieder vor ihrer Hochschule ein, um gemeinsam gegen die Kürzungspläne von Finanzministerin Sigrid Keler (SPD) auf die Straße zu gehen. Auf einem anderen Weg als bei ihrer letzten Demonstration, aber mindestens genauso zahlreich, zogen die Studenten durch die Innenstadt und machten lautstark auf ihren Protest aufmerksam. Das kam nicht bei allen Bürgern gut an. "Die Demonstranten sollen erst einmal arbeiten gehen, ehe sie auf der Straße Forderungen stellen", meinte etwa eine ältere Neubrandenburgerin kopfschüttelnd. Das auch in der Viertorestadt ein großer Teil der Studenten arbeiten muss, um über die Runden zu kommen, scheint - das macht diese Reaktion deutlich - bei vielen Menschen nicht bekannt zu sein. Unbeindruckt von derartigen Äußerungen demonstrierten die Studierenden mit akustischer Unterstützung durch Trommeln und Trillerpfeifen zum Marktplatz. Dort fand eine ungewöhnliche Abschlusskundgebung statt. Thorsten Schild, Vorsitzender des Studentenrates Asta, betätigte sich als Conferencier in einen satirischen Wettkampf zwischen Vertretern der einzelnen Fachbereiche, die um ihre von der Streichung bedrohten Professorenstellen spielten. Zwischendurch sang man ein Kinderlied, dessen Text der prekären Situation der Fachhochschule angepasst wurde.
Die Information, dass sich Finanzministerin Keler bereit erklärt hat, am 18. Dezember in der Hochschule zu ihrem Sparkonzept Stellung zu nehmen, wurde den Studenten mit auf den Heimweg gegeben.

Nordkurier

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