Presse-Schau

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19.11.2002
Demonstration verläuft störungsfrei - Etwa 100 Polizeibeamte im Einsatz

Demmin (sim). Störungsfrei und friedlich ist die Demonstration der NPD-nahen "Schülerinitiative für freie Meinungsbildung und - äußerung" am Sonnabend in Demmin verlaufen. Der Zug der etwa 60 rechtsgerichteten Personen, der von der Polizei begleitet wurde, zog vom Bahnhof durch die Stadt bis zum kleinen Park an der Adolf- Pompe-Straße, wo die Veranstaltung mit einer Kundgebung zu Ende ging. Die Gegendemonstration brachte gut zehn Personen auf die Beine. Ansonsten waren rechts und links des Zuges noch einige Schaulustige dabei.

Nach Angaben der Polizei waren etwa 100 Beamte im Einsatz. Auf den Zufahrtsstraßen erfolgten Vorkontrollen, um gewalttätige Personen aufzuhalten. Es habe dabei jedoch keine besonderen Vorkommnisse gegeben, wie die Polizei weiter mitteilte. Zwei Demonstranten hätten bereits vor Beginn der Veranstaltung wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht Teilnahmeverbot erhalten. Sie nutzten Transparente als Schutzschilder, so die Begründung für das Verbot.

Unterwegs wurden zwei weitere Jugendliche ausgeschlossen, die verfassungsfeindliche Anstecker trugen, hieß es. Drei Gegendemonstranten hatten zivile Aufklärer beleidigt, die Identität wurde festgestellt.

Nordkurier-Demmin

19.11.2002
Kommentar: Hoffnung auf breiten Konsens

Ein Leinentuch mit der Aufschrift "Demmin steht auf - gemeinsam gegen rechts" flatterte in den vergangenen Tagen vor dem Rathaus der Hansestadt Demmin. Die Losung wurde wie schon im Februar 2002 wieder mit Leben erfüllt: Am vergangenen Donnerstag trafen sich hunderte Einheimische und ihre Gäste zu einem Friedensfest in der Kultur und Sporthalle (der Nordkurier berichtete). Die Veranstaltung war eine Reaktion auf die angekündigte Demonstration rechtsgerichteter Personen. Diese fand am Sonnabend im Gegensatz zu dem Friedensfest kaum Beachtung. "Das soll eine Demonstration sein?", wunderte sich ein Steppke am Rande des Zuges. Das macht Hoffnung: Auf einen breiten demokratischen Konsens in der Hansestadt. Siegmund Menzel

Nordkurier-Demmin

19.11.2002
Veranstaltungs-Reihe gegen rechte Parolen

Demmin (sth). Demmins Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) hat angekündigt, dass das Friedensfest vergangene Woche nur eine von vielen Reaktionen der Kommune auf die Kundgebung Rechtsgerichteter in der Kreisstadt sein wird. "Mit diesem Fest wird eine Serie von Veranstaltungen begonnen, in welchen auf unterschiedliche Art Aufklärung über den Nationalsozialismus erfolgen und friedliches Miteinander praktiziert werden soll", äußerte der Rathauschef vor den Teilnehmern des Friedensfestes.

So werde in der nächsten Zeit beispielsweise zu Filmveranstaltungen und Konzertabenden, Buchlesungen und Streitgesprächen eingeladen. "Jeder ist gefordert, Ideen mit einzubringen, damit unsere Jugend nicht Gefahr läuft, sich falschen Meinungsmachern zu unterwerfen", verlangte der Rathauschef. "Und wir Älteren sollten das Thema nicht verdrängen. Es ist leider immer noch aktuell."
Die rechtsgerichtete Demo am Wochenende war indes relativ schwach besucht.

Nordkurier-Demmin

19.11.2002
"Man habe nichts gewusst, ist eine Lüge" - Friedensaktivist Hans de Boer diskutiert mit Demminer Gymnasiasten - Kriege und Folter verurteilt

Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Gehrke

Demmin. "Ich liebe die Amerikaner, aber nicht ihre Kriege. Ich liebe die Deutschen, aber nicht die Nazis." Hans de Boer, Weltreisender, Christ und Friedensaktivist, der auf Einladung der Friedrich-Ebert- Stiftung in Demmin war, diskutierte gestern mit Gymnasiasten und stellte diesen Satz all seinen Ausführungen voran. Die Zwölftklässler des Sozialkunde-Kurses hörten dem 77-Jährigen aufmerksam zu, als er aus seinem Leben und von seinen Reisen in Kriegs- und Krisengebiete erzählte, darüber berichtete, wie er Armut, Hunger und Folter sah, selbst Folter erlebte.

"Ich gehöre zur Versagergeneration", sagte er. Nicht wegen dem, was sie während des Nationalsozialismus getan oder unterlassen habe, sondern wegen dem, was sie nachher der Kinder- und Enkelkindergeneration verschwiegen und verleugnet habe. Zu sagen, man habe nichts gewusst, sei eine glatte Lüge.

Viel Elend gesehen

1925 geboren, sei er in Hamburg erzogen worden in einem Haus mit 18 Zimmern, erzählte de Boer. Er habe vor dem Vater stramm stehen und ihn mit Sie anreden müssen. "Und ich bin ein begeisterter Hitlerjunge geworden." Mit 14 Jahren allerdings habe er begonnen nachzudenken. Zu Hause hörte man verbotene Sender wie zum Beispiel BBC London. Als Soldat war er in Frankreich Telefonist, hörte Wehrmachtsgespräche mit und gab sie dem französischen Roten Kreuz weiter.

Er erlebte die Befreiung durch die Amerikaner, studierte später Theologie, unterrichtete Religion an Schulen.

Auf Reisen durch Indien, Korea, nach Hiroshima sah er viel Elend. Und er erlebte den Vietnamkrieg. Seine indische Frau, die Chirurgin war und dort leidenden Opfern Glieder amputierte, starb an den Repressalien der Amerikaner. Wie de Boer berichtete, mussten er und seine Frau literweise Kuh- und Pferdeurin trinken und bekamen Elektroschocks, weil die Amerikaner sie für Kommunisten hielten.

Den schlimmsten Krieg mit chemischen Waffen habe Amerika in Vietnam geführt, bei dem vier Millionen Menschen umkamen.

Wenn er dann heute Präsident Bush als Rechtfertigung für seine Kriegspläne höre, er wolle einen chemischen Krieg vom Irak aus verhindern, könne er diese Argumente nicht akzeptieren. Wie de Boer auf Fragen der Zwölftklässler weiter sagte, habe er gesehen, was die amerikanischen Uran-Bomben im Golfkrieg Anfang der 90-er Jahre angerichtet haben. Kinder, die nach dem Krieg geboren wurden, würden wie Skelette aussehen. In den ganzen Kriegen sei es nur ums Öl gegangen. Bush wolle den Krieg, es sei das beste Geschäft, meinte de Boer.

So sehr er den Terror vom 11. September auch missbillige, habe er ihn vorausgesagt. Amerika werde eines Tages für seine Kriege bezahlen müssen. "Verstehen kann ich‘s. Das heißt aber nicht, dass ich es gutheiße", stellte de Boer klar.

Auf die Frage eines Schülers, ob er jetzt auch etwas voraussagen könne in puncto Irak, antwortete er, dass er an die Gerechtigkeit Gottes glaube. Wenn der Irak angegriffen würde, "werden Asien, Lateinamerika, alle gegen uns sein. Und das sieht so ein ungebildeter Mann wie Bush nicht." Er selbst finde deshalb die Irak-Politik der Bundesregierung hervorragend, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder es ablehne, dass Deutschland sich dann militärisch beteiligt, sagte de Boer.

Nordkurier-Demmin

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