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15.11.2002
Stadt setzt gegen Rechts auf Friedensfest - Hunderte Demminer nehmen an Gegenveranstaltung zu Wochenend-Demo teil - Kerzen am Barlachplatz

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Hoeft

Demmin. Mit einem "Friedensfest" hat die Hansestadt gestern auf eine für das kommende Wochenende angekündigte Demonstration Rechtsgerichteter in Demmin reagiert. Hunderte Besucher verschiedenster Altersgruppen, Religions- und Parteizugehörigkeiten fanden sich im Laufe des Nachmittags in der Kultur- und Sporthalle ein, darunter auch viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Etwa 50 Männer, Frauen und Kinder nahmen zudem an einem abendlichen Friedensgebet in der katholischen Kirche Maria-Rosenkranzkönigin teil.

Demmins Bürgermeister Ernst Wellmer (CDU) hatte zur Eröffnung des Friedensfestes die Frage in den Raum gestellt, ob es einen Grund gebe, zu feiern. Schließlich handele es sich bei der von einer "Greifswalder Schülerinitiative für freie Meinungsbildung und -äußerung" angemeldeten Kundgebung um ein sehr ernst zu nehmendes Problem. Doch die Haltung der Demminer zu derartigen rechten Demos sei durchaus etwas zum Feiern, meinte er. Und erinnerte an das Frühjahr, als die NPD durch die Stadt marschierte. Damals hätten etwa 700 bis 800 Bürger mit einem stillen Protest und Friedensgebet deutlich gemacht, dass es in der Kreisstadt keinen Nährboden für derartiges Gedankengut gebe.

"Gewalt verbannen"

"Heute wollen wir erneut Zeichen setzen", sagte der Rathauschef. "Wir wollen an diesem Ort das Gespräch miteinander suchen, wir wollen aufklären, wollen ein Zusammengehen praktizieren, das im Großen oftmals nicht gelingt, aber doch möglich sein sollte. Im ehrlichen Miteinander wollen wir dafür einstehen, dass Menschenverachtung und Gewalt von unseren Straßen verbannt werden."

Dazu sei ein friedlicher Protest außerhalb der geplanten Demo das beste Mittel, meinte Wellmer gegenüber Nordkurier. Dass gestern weit weniger Menschen kamen als im Frühjahr, sehen die Organisatoren vor allem in der Kurzfristigkeit begründet. Die rechte Demo sei am Freitag genehmigt worden, worauf die Kommune erst am Montag reagieren konnte und in zwei, drei Tagen ein komplettes Kulturprogramm für ein Friedensfest auf die Beine stellte. So sorgte vor allem bei den Kindern der Clown für große Freude, anschließend traten unter anderem die Musikschule Demmin/Altentreptow und der Karnevalsclub Demmin auf. Mit Ständen beteiligten sich zudem der Frauenbund und die jungen Europäer. Zum Ausklang des Friedensfestes zogen am Abend rund hundert Teilnehmer von der Kultur- und Sporthalle zum Barlachplatz - zum Teil mit brennenden Kerzen, die sie am dortigen Denkmal für Gewaltopfer als Mahnung aufstellten.

Nordkurier-Demmin

15.11.2002
Nazi-Opfer hält Vortrag

Demmin. Der 1925 geborene Autor Hans de Boer spricht am kommenden Montag, 18. November, um 19 Uhr in der Aula der Demminer Fritz-Reuter-Schule bei einer Veranstaltung der Friedrich- Ebert-Stiftung. Sie steht in der Reihe der geplanten Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus. De Boer wurde während des Dritten Reichs von den Nazis verhaftet und gefoltert. Er setzt sich stark für Entwicklungsländer und Menschenrechte ein.

Nordkurier-Demmin

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