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Bericht und Pressesammlung zum Thema

14.11.2002
Verhafteter Lehrer war zuvor unauffällig

Neukloster (ddp) Der wegen Beihilfe zum versuchten Mord verhaftete Lehrer aus Neukloster war im beruflichen Umfeld unauffällig. "Es gab keinen Anlass, die fachliche und persönliche Eignung unseres Kollegen in Zweifel zu ziehen", sagte Gymnasiumsleiterin Astrid Paschen. Lehrer und Schüler hätten betroffen und irritiert auf die Verhaftung reagiert. Der Krefelder (36) soll für einen Brandanschlag auf einen Asia-Imbiss in Wismar Benzin besorgt haben.

Bei einer Hausdurchsuchung fand sich u.a. rechtes Propagandamaterial, ein Hitler-Porträt und eine Hakenkreuzfahne. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, fordert die Gewerkschaft GEW seine Entlassung.

Ostseezeitung

14.11.2002
Lehrer half bei Anschlag - Asia-Imbiss sollte abbrennen - Rechtsextremer Hintergrund

Wismar (EB) Der am Dienstag wegen Verwicklung in einen versuchten Brandanschlag auf einen Asia-Imbiss festgenommene Lehrer hat anscheinend die zwei tatverdächtigen 18-jährigen Schüler selbst zu einer Tankstelle gefahren und ihnen dort fünf Liter Benzin gekauft. Der Musiklehrer am Gymnasium Neukloster wurde wegen Verdachtes auf Beihilfe zum Mord und schwere Brandstiftung in Untersuchungshaft genommen. Er hat sich bisher nicht geäußert.

"Nach bisherigen Ermittlungen hat der Lehrer gewusst, dass die beiden Schüler einen Brandanschlag planten", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick gestern. In der Wohnung des Lehrers wurden eine Hakenkreuzflagge über dem Bett und Bilder gefunden, auf denen der Verdächtige mit anderen beim "Hitlergruß" zu sehen ist. Kollegen galt der Mann als konservativer Einzelgänger, der das DDR- schulsystem schätzte. Schulleiterin Astrid Paschen sagte, er sei nie als rechtsextrem aufgefallen. "Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, gehört der Mann nicht in den Schuldienst", so GEW-Vorsitzende Heidrun Breyer.

Die beiden 18-Jährigen hatte der Lehrer bei einem NPD-Treffen kennen gelernt hatte. Sie besuchen laut Auskunft der Schulleitung nicht das Gymnasium Neukloster.

Schweriner Volkszeitung

14.11.2002
Ein unauffälliger Musiklehrer - Aufregung in Neukloster - Lehrer offenbar an Brandanschlag auf Asia-Imbiss beteiligt

Neukloster Schatten über dem Gymnasium "Am Sonnenkamp" in Neukloster. Ein Musiklehrer sitzt wegen Beteiligung an einem ausländerfeindlichen Brandanschlag in Untersuchungshaft. Kollegen und Schüler sind geschockt

Von Knut Degner

"Wer weiß, ob das alles stimmt, uns geht das auf die Nerven." Die meisten Schüler der älteren Klassen denken offenbar so. Seit gestern bekannt wurde, dass der "Nazi-Lehrer", wie er in einer Schlagzeile bereits betitelt wurde, von ihrer Schule kommt, wird das Gymnasium "Am Sonnenkamp" in der nordwestmecklenburgischen Kleinstadt Neukloster von Reportern belagert.

Am Vormittag hatte die Schulleiterin das Lehrerkollegium zusammengetrommelt und die Hiobsbotschaft verkündet, dass Guido S. wegen des Verdachts der Beihilfe zu einem ausländerfeindlichen Brandanschlag auf einen Wismarer Asia- Imbiss in Untersuchungshaft sitze. Er habe für zwei 18-Jährige vor einer Woche das Benzin gekauft.

Wenig später ging die Nachricht in die Klassen, "ohne dass gesagt wurde, um welchen Lehrer es sich handelt", so ein Junge grinsend. Das aber hatten sich die Schüler schnell zusammengereimt.

Giudo S. hatte, nachdem er vor gut einem Jahr von Lübeck nach Neukloster gekommen war, in Wismar seinen Wohnsitz genommen. "Keiner von uns hat sich vorstellen können, dass er das ist", sagt einer seiner Kollegen. "Wir sind alle entsetzt und können das immer noch nicht glauben." Schulleiterin Astrid Paschen hat alle 42 Lehrerinnen und Lehrer eigentlich vergattert, nichts zu der Sache zu sagen. Sie macht sich große Sorgen um den Ruf der Schule, an der 580 Schüler aus Neukloster und der Umgebung lernen. Dann lässt sie doch durchblicken, dass es sich zwar um einen "sehr konservativen Kollegen" handelt, der sich sehr für das Schulsystem der DDR interessiert habe. "Man hätte den Kindern nach seiner Auffassung nicht so viel durchgehen lassen, und das fand er eben gut", erkärt die Chefin. Früher habe er nach dem Unterricht mit Kollegen gemeinsam musiziert, sich jedoch in der letzten Zeit immer mehr zurück gezogen.

Verdacht habe das nicht erregt, da es im Unterricht kein Indiz für seine Gesinnung und seine mutmaßlichen Kontakte in die rechtsextremistische Szene gegeben habe. Davon, dass man bei einer Hausdurchsuchung neben einem Hitler-Portrait über dem Bett des Kollegen eine Hakenkreuzfahne und auch einschlägige Schriften gefunden hatte, wusste sie nichts. "Alle sind völlig irritiert, und die Sache ist heute natürlich Thema Nummer Eins auf dem Schulhof und im Lehrerzimmer."

"Ich hab mir schon gedacht, dass das so einer ist", plappert einer aus der Siebten an der Bushaltestelle. "Der kam doch sogar mit Lonsdale-Pulli zum Unterricht und dann mussten wir immer so alte, blutrünstige Lieder lernen bei dem." Eine Mutter soll wegen des zweifelhaften Liedgutes, das der Musiklehrer vermittelte, vor einiger Zeit einen Protestbrief geschrieben haben. "Der hat nur gesagt, das seien alte deutsche Lieder, die bewahrt werden müssten und die wir mal an unsere Kinder weiter geben müssten", berichtet ein Mädchen.

Gerüchte machen die Runde, ihr Lehrer soll in Wismar mit Bomberjacke und Springerstiefeln herumgelaufen sein, und seine Glatze habe wohl doch nicht nur etwas mit seinem schütteren Haar zu tun gehabt.

Im Flur der Schule hängt ein Plakat, eine Projektarbeit über Rechtsextremismus. Erwähnt sind auch die Brandanschläge in Mölln und Solingen Anfang der 90-er und deren Opfer. "Wir werden dies nie vergessen." Daran dürfte Guido S. jeden Tag vorbei gegangen sein. Auch an dem großen Aufruf, sich an der Aktion "Schüler gegen Rechts" zu beteiligen. "Achtung! Absturzgefahr! - Sitzt nicht rum, macht was!" Die Direktorin verweist auf die guten und intensiven Kontakte zu Partnerschulen in Finnland und England, auf eine Streitschlichtergruppe und auf einen Lehrer, der Ansprechpartner ist für die Drogen- und Gewaltprävention.

Am Montag, dem 11.11., hatte Guido. S. zum letzten mal in der Aula mit Schülern lustige Lieder zum Karnevalsauftakt gesungen. "Nun suchen wir wieder nach einem Musiklehrer", sagt sie kopfschüttelnd.

Schweriner Volkszeitung

14.11.2002
Tatverdächtiger Lehrer kommt aus Krefeld - G. S. unterrichtete in Neukloster

Wismar/Neukloster (OZ) Betroffenheit herrscht bei Lehrern und Schülern des Gymnasiums Am Sonnenkamp Neukloster. Von der Nachricht, dass der Musiklehrer ihrer Schule, G. S., Jugendliche zu rechtsradikalem Handeln angestiftet haben soll (OZ berichtete), wurden sie überrascht. Entsprechendes Gedankengut hatten sie bei dem Lehrer nicht bemerkt. So jedenfalls äußerten sich gestern gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG mehrere Lehrer und Schüler.

Dennoch bestätigte gestern eine Schülerin, dass ihr Musiklehrer durch rechtsradikale Äußerungen in der Schule aufgefallen sein soll. Allerdings war er gerade mal ein Jahr an der Schule. Auseinandersetzungen habe es wegen seines autoritären Stils gegeben, aber der war nicht als rechte Gesinnung, sondern als Folge von Disziplinschwierigkeiten in seinem Unterricht gewertet worden. Schüler der Oberstufe hätten spontan geäußert, sie wollten zum Wismarer Asia-Shop gehen, um deutlich zu machen: "Dies ist keine Gesinnung, die an unserer Schule gewachsen ist."

Schulleiterin Astrid Paschen wollte sich wegen des schwebenden Verfahrens nicht äußern, empfahl aber: "Sehen Sie sich in der Schule um. Sie werden einiges erfahren, womit sich unsere Schüler auseinander setzen." Da fallen zum Beispiel Schautafeln auf, die über Partnerschaften zu anderen Schulen im europäischen Ausland berichten. Oder eine Arbeitsgruppe stellt die Ergebnisse ihres Projektes "Fremde Kulturen" vor. "Mit solchen Dingen möchten wir Schlagzeilen machen", erklärte eine Schülerin.

Der Tatverdächtige G. S. ist im August letzten Jahres von Krefeld nach Wismar in die Lübsche Straße gezogen. In der Nachbarschaft lebte er sehr zurückgezogen. "Freunde hatte er hier kaum. Deshalb fühlte er sich hier sehr einsam", so eine Nachbarin. Lediglich am späten Nachmittag und am Wochenende hörte man Klavierklänge aus seiner Wohnung. Gestern waren die Jalousien der Fenster heruntergezogen. Sein weißer Wagen parkte vor dem Haus. Von der Verhaftung und der Hausdurchsuchung hatten die Nachbarn nichts mitbekommen.

Fassungslos war gestern auch Wismars Schulsenator Thomas Beyer (SPD), als er von der Nachricht erfahren hatte, dass es sich bei dem 36-jährigen Tatverdächtigen um einen Gymnasiallehrer handeln soll: "Die Tatsache, dass der Lehrer nicht von einer Wismarer Schule ist, die entlastet ein bisschen, aber das ist ja nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist, dass hier offensichtlich ein Erwachsener, ein Pädagoge, Jugendliche zum Brandanschlag angestiftet hat. Wenn sich dieser Verdacht wirklich erhärtet, dann bin ich absolut erschüttert. Wir müssen künftig, wenn wir über Rechtsextremismus reden, auch darüber sprechen, was Jugendliche von Erwachsenen erleben und hören."

Ebenso betroffen zeigte sich gestern auch Berufsschullehrer Uwe Segert: "Ich war zunächst völlig überrascht, im Nachhinein bin ich sehr entsetzt über diese Geschichte. Wenn sich die Verdachtsmomente bestätigen sollten, muss der Mann sofort aus dem Unterrichtsdienst entfernt werden."

Empört reagierte gestern Klaus-Dieter Sass, Schulleiter des Scholl-Gymnasiums in Wismar. "Bei mir klingelte den ganzen Tag das Telefon. Alle Anrufer wollten wissen, ob der Lehrer von der Großen Stadtschule ist. Natürlich bin ich erleichtert, dass dies nicht der Fall ist. Trotzdem wird aber jetzt das Ansehen der gesamten Lehrerschaft in unserem Lande in Misskredit gebracht", meinte er.

PETER PREUSS und KARSTEN SCHULZ

Ostseezeitung-Wismar

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