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04.11.2002
Auf den Spuren von Germania - Historiker forschen an der Müritz nach Nazi-Bauten

Von ddp-Korrespondenten Gunnar Kruse
Rechlin. In einem Waldstück an der Müritz versteckt liegt die "Berliner Siedlung". Das Relikt aus der Nazizeit hat in jüngster Zeit Historiker angelockt. Wenn Willy Standfuß vom Verein Luftfahrttechnisches Museum Rechlin die Ge schichtsexperten zu dem Objekt ihrer Begierde führen will, braucht er schon eine behördliche Genehmigung. Das Areal der ehemaligen Luftwaffen-Erprobungsstelle Rechlin gilt über ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch immer als munitionsbelastet.

Museum gut besucht

Spurensucher stoßen in dem Gelände auf vier Ruinen, die von den Anwohnern auch "weiße Häuser" genannt werden. Das seien keine normalen Gebäude gewesen, sagt Standfuß. In den einstigen rund 15 Meter hohen Viergeschossern sind Treppenhäuser, Sanitäranlagen und Fluchtwege zu erkennen. Zu welchem Zweck die wahrscheinlich in den 40er Jahren errichteten Häuser erbaut wurden, wollen jetzt Berliner Experten herausgefunden haben. Ihrer Meinung nach handelt es sich um Testbauten für die einst von Hitler erträumte "Welthauptstadt Germania". Dafür sprächen die besonders starken Wände und Stahlverstärkungen der Gebäude, sagt der Berliner Stadtplaner und Historiker Dietmar Arnold. Auch nach Ansicht von Standfuß gibt es für ein Germania-Testgebiet deutliche Hinweise. In Rechlin war zwischen 1934 und 1945 eine der Erprobungsstellen der deutschen Luftwaffe angesiedelt. Von den damaligen Mitarbeitern seien die Häuser als "Berliner Stadtteil" bezeichnet worden. Ihre Stabilität sei mit Bombenabwürfen getestet worden, sagt Standfuß. Die genaue Geschichte liege aber noch im Dunkeln. Fehlende Unterlagen und Dokumente erschwerten die Arbeit der Forscher. Eines stehe fest: "Früher waren die Fassaden verklinkert." Die Steine seien später abmontiert und für den Hausbau genutzt worden. So seien die Bauten zu ihren Beinamen "weiße Häuser" gekommen. Die möglichen Versuche an den Germania-Testbauten sind nur ein Teil dessen, was während der Nazi-Herrschaft in Rechlin vor sich ging. Auf einem rund 150 Quadratkilometer großen Gelände wurden alle in Deutschland entwickelten Landflugzeuge auf ihre militärische Verwendbarkeit hin erprobt, weiß Standfuß. Ob Motoren, Waffen, Katapultsitze - alles kam auf den Prüfstand. Heute erinnert ein Museum an die Geschichte Rechlins und der Luftwaffen-Erprobungsstelle. Fast 50 000 Gäste kamen seit der Eröffnung 1998, allein in diesem Jahr waren es etwa 16 000, erzählt Standfuß. Über das Museum waren auch die Berliner Historiker auf die Ruinen aufmerksam geworden.

Nordkurier

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