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02.11.2002
"Bunt statt braun" ohne Jugend - Viele Jugendliche in Rostock fühlen sich von "Bunt statt braun" ausgegrenzt und gründeten ein eigenes Bündnis
Rostock (OZ) August 1992. Von Rostock geht ein Ruf in die Welt, der der Stadt lange anhaften bleibt. Lichtenhagen! Die Stadt hat ihren Makel.
Juni 1998. 80 Jugendliche aus Rostock rufen auf gegen rechte Gewalt. Daraus wird ein Bündnis, das weite Teile der Stadt erfasst. Politik, Wirtschaft, Medien, Privatpersonen. Wieder geht ein Ruf von Rostock aus. Ein vorbildlicher: "Nicht mit uns! Gemeinsam gegen Rechts." Aus einer Idee entsteht ein Bündnis. Im Juni 2000 wird der Verein "Bürgerinitiative Bunt statt braun" gegründet. 300 Einrichtungen und Firmen unterstützen die Initiative. Jedes Jahr ruft der Verein zum Friedensfest auf.
Nur die Jugendlichen von einst, die fühlen sich ausgegrenzt. Zwölf Vereine und Initiativen haben daher das "Antifaschistische Jugendbündnis AJUB" gegründet. Ihnen fehlt es an Mitbestimmung und Diskussion. Torsten Raedel (31), Vorsitzender des Jugendwerks der AWO, sagt: "Bei Sitzungen wurden Jugendliche so mies behandelt, dass sie gegangen sind. Die kommen nicht wieder." Dann wurde es eine Spaltung zwischen Jung und Alt. Raedel befürchtet, dass Jugendliche radikalisiert werden oder Interesse an politischer Arbeit verlieren. Er sagt, politische Jugendarbeit müsse in Rostock immer über "Bunt Statt Braun" laufen, dort aber nicht stattfinden. Wie ein Nadelöhr. Raedel: "Dann ist das Bündnis nur noch ein PR-Gag."
Auch der Leiter des Rostocker Jugendamtes, Georg Horcher, seit April im Amt, bemängelt den Zustand: "Ich kritisiere, dass Jugendliche zu wenig in die Planung der Friedensfeste eingebunden werden." Er wirft den Ball auch den Vereinen in freier Trägerschaft zu, die sich in die Schmollecke zurückziehen.
Marian Koch (21), Informatikstudent vom Rostocker Info-Café meint: "Wir sind im Mai auf 'Bunt statt braun' zugegangen. Aber da hatten die alles fertig und alle Straßen und Plätze der Stadt belegt." Eigene Ideen seien abgelehnt worden. Kathrin Schankin, Vorsitzende von "Bunt statt braun", sagt: "Bei Großveranstaltungen muss man sich arrangieren. Wir haben Verantwortung gegenüber unseren Partnern." Wenn Familien am Friedensfest teilnehmen, erwarten die Sicherheit. "Wenn, wie von AJUB geplant, zu einer bundesweiten Demo aufgerufen wird, muss mit großem Polizeiaufgebot gerechnet werden." Hubschrauber über den Köpfen und behelmte Hundertschaften. Das war nicht erwünscht.
Zum Eklat ist es während des Festes im Sommer gekommen, als die Jusos ein Schild hochgehalten haben. Text: "Zehn Jahre rassistischer Normalzustand in Deutschland. Ein Grund zum Feiern? Eure Jusos!" Eine Provokation. Thomas Raitza (22) von den Jusos wirft dem bunten Bündnis vor, keine Gegenpositionen auszuhalten. Er hätte vor dem "Sonnenblumenhaus" eher eine Gedenkveranstaltung als angemessen empfunden. Als Provokation hat Kathrin Schankin das Plakat empfunden. "Wir haben das lange toleriert und die Jusos gebeten, es runter zu nehmen,weil es den Sinn der Veranstaltung in Frage gestellt hat."
Raitza sagt: „Ich habe den Eindruck, dass AJUB als linksradikal und gewaltbereit eingestuft wird. Und das stimmt nicht." Wenn breite Teile der Jugend einer Stadt dort nicht mehr mitmachen würden, müsse man das Bündnis in Frage stellen.
Für Lena Fassnacht von "Bunt statt braun" liegt der Grund für das Zerwürfnis in Missverständnissen. "Es geht nicht darum, alle unter einen Hut zu bringen, sondern weite Kreise zu motivieren, sich einzubringen. Das heißt nicht, dass es uns egal ist, wenn sich einige nicht wiederfinden. Wir wollen nicht vereinnahmen." Zerschnitten ist das Tischtuch nicht. Schankin findet es schade, wenn sich Jugendliche ausgegrenzt fühlen: "Wir müssen aufeinander zugehen."
Ostseezeitung-Rostock
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