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29.10.2002
Landesrabbiner berichtet über Situation der Juden - William Wolff froh über herzlichen Empfang in Waren

Waren. Als "besonders lieben Gast" kündigte Haus-des-Gastes-Mitarbeiterin Christine Bülow den Landesrabbiner William Wolff an, der extra für die Eröffnung der Ausstellung "Sie aber singen wie flötenblasend: All meine Quellen sind in dir" nach Waren gereist war (Nordkurier berichtete). Und das, obwohl eine Erkrankung ihn sichtlich mitgenommen hatte. Wolff betonte, dass er mit "so viel Wohlwollen, ja Liebe" empfangen wurde.

"Anderes Deutschland"

Ein Zeichen für ihn, dass das heutige Deutschland ein vollkommen anderes sei als noch 1938, als in Deutschland Pogrome gegen Juden stattfanden. An diese unselige Zeit will die neue Ausstellung im Haus des Gastes noch bis zum 24. November erinnern. Auch wenn es beispielsweise Schändungen von jüdischen Friedhöfen gebe, so wüsste er sehr wohl, dass es sich bei den Tätern um eine "winzige Minorität" handele. "Das darf das Bild einer neuen, toleranten Gesellschaft nicht verzerren", forderte Wolff. Seine Eltern verließen Deutschland bereits 1933 und siedelten nach Holland über. Als sein Vater dort nicht Fuß fassen konnte, ging die Familie nach England, wo Wolff seit über 60 Jahren lebt. "Seit fünf Jahren bin ich besuchsweise in Mecklenburg-Vorpommern, vor zwei Jahren wurde ich Landesrabbiner", berichtet Wolf. Diese Arbeit mache ihm viel Freude. So viel, "dass ich manchmal denke, es müssten auch ein paar Sorgen dabei sein", so Rabbiner Wolff. Er fand deutliche Worte, um die Situation der Juden in Mecklenburg-Vorpommern zu beschreiben und machte die Entwicklung nach der Wende deutlich. Zurzeit leben rund 1 300 Juden im Land, so in Schwerin und Rostock. "Ende der 80-er Jahre waren es drei oder vier", berichtete Wolff. Die Juden, die heute hier leben, stammen ausschließlich aus der ehemaligen Sowjetunion. "Das Naziregime hat die Juden körperlich zerstört, die Sowjetunion das Judentum", sagte der Rabbiner. Denn die Juden, die im Land lebten, seien zwar Juden der Herkunft nach, vom Judentum selbst wüssten sie kaum noch etwas.

Nordkurier-Waren

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