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28.10.2002
Nazi-Nachlass: Bombengeschäft - Nazi-Merchandising in Klein-Rogge bei Malchin bedenkenlos versteigert

Klein Roge. Da ist er wieder: "Mein Kampf" von Adolf Hitler. Eine Originalausgabe. Extra verpackt in eine Plastikfolie liegt das Exemplar auf dem Tisch im Auktionshaus Klein Roge. Positionsnummer 704. Klein und fast unscheinbar nimmt es sich aus neben Schriften von Alfred Rosenberg und anderer Nazi-Größen. Etliches davon steht auf dem Index, gilt in Deutschland als verfassungsfeindliches Schriftgut. Es sind fast nur Männer, die an diesem Tisch verweilen und in den Büchern blättern. Noch mehr Interesse findet allerdings eine Glasvitrine im Auktionssaal. Dort ist eine stattliche Kollektion von Orden und Ehrenzeichen aus der Nazi-Ära präsentiert. Die davor stehen, kennen deren Wert. Doch Stunden vergehen, ehe Auktionator Werner Knuth-Krins diese Positionen aufruft. Zuvor hatte er Porzellan und Glas, allerlei Hausrat und technische Geräte zumeist für einen Spottpreis verscherbelt. Als dann mit der Position 585 die Versteigerung der Relikte des Dritten Reiches beginnt, legt sich ein beklemmendes Schweigen über den Saal. Zwei Männer beherrschen die Szene. Nur die Stimme des Auktionators vermeldet, wie Gebot und Gegengebot in bis dahin ungeahnte Höhen klettern. Eine Dienstmarke der Gestapo, die mit 15 Euro gesetzt war, wechselt für 280 den Besitzer. Für einen Totenkopfring der SS werden 390 Euro gezahlt, eine andere SS-Auszeichnung geht gar für 800 Euro über den Tisch.

Verkauf mit Klauseln

Werner Knuth-Krins ist mit dem Gesamtergebnis dieser 30. Auktion in Klein Roge zufrieden. Mehr als 1300 Positionen waren aufgerufen, der Saal den ganzen Tag stark frequentiert. Bedenken beim Verkauf der nazistischen Gegenstände hat er nicht. "Wir haben eine Zusatzklausel in unseren Geschäftsbedingungen. Diese Waren dürfen danach nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen oder der Forschung verwendet werden", gibt er Auskunft. Außerdem sieht er in dem angesprochenen Posten eine Ausnahme mit Blick auf die Gesamtpalette. "Solche Ware haben wir das erste Mal im Angebot. Sie stammt aus einem Nachlass in Nordrhein-Westfalen." Und mit einem Hinweis auf das Publikum im Saal tritt er Bedenken an seinem Geschäft entgegen. Da sitze beileibe keine rechte Szene. Die Erwerber der braunen Utensilien bekunden nur eines. Sie haben ein gutes Geschäft gemacht. Denn die üblichen Preise seien deutlich höher.

Nordkurier-Malchin

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