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24.10.2002
Forum zieht Schlüsse aus Jugendstudie - Ideen gegen Intoleranz für Usedom gefragt

Insel Usedom (cm). Die Ergebnisse der Jugendstudie, für die Insel-Schüler zu Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus befragt wurden, sollen praktische Konsequenzen haben: Der Präventionsrat der Kaiserbäder trug am Di=enstagabend während einer ersten Gesprächsrunde über die wissenschaftliche Untersuchung Vorschläge zusammen, um Intoleranz sowie rechten Aktivitäten bei Jugendlichen entgegenzuwirken. Denn bei diesen miteinander zusammenhängenden Problemfeldern sieht das Gremium Gegenmaßnahmen als besonders wichtig an.
Ein Schwerpunkt müsse es dabei sein, verstärkt Begegnungen zwischen Kindern und Jugendlichen aus der Region mit Gleichaltrigen aus Polen zu fördern, um Vorurteilen entgegenzuwirken, hieß es. Ziel des Präventionsrates - er wurde nach dem von rechten Jugendlichen aus Ahlbeck begangenen Mord an dem Obdachlosen Norbert Plath gegründet - ist es, ein Konzept zur Jugendarbeit zu erstellen. Wenn möglich, wolle man schon für 2003 Fördermittel für Projekte beantragen, sagte der Ahlbecker Pastor Gerd Panknin, Vorsitzender des Rates.

Nordkurier-Usedom

24.10.2002
Präventionsrat: Polen-Kontakte für Kinder unerlässlich - Warnung vor Werbeaktionen der rechten Szene

Insel Usedom. Die oft negative Haltung gegenüber den polnischen Nachbarn und das Verbreiten von rechtsextremen Einstellungen in der Region macht Kommunalpolitikern und Vertretern von Verwaltungen, Polizei und Bundesgrenzschutz Sorgen - besonders, wenn es um Jugendliche geht. Das wurde am Dienstagabend bei der Sitzung des Präventionsrates für die Kaiserbäder deutlich. Das Gremium diskutierte dabei über eine wissenschaftliche Studie, die nach einer Umfrage unter Neuntklässlern auf Usedom entstanden ist. So hatte sich eine Mehrheit der Jugendlichen gegen den geplanten EU-Beitritt Polens ausgesprochen. Doch auch eigene Beobachtungen kamen im Gremium zur Sprache: Heringsdorfs Bürgermeister Hans-Jürgen Merkle (SPD) schätzte ein, dass Rechtsextremisten Werbung unter Kindern und Jugendlichen sehr verstärkt haben und dabei viel subtiler als zuvor agieren; Springerstiefel und Bomberjacken seien kaum noch zu sehen. Die jüngste Demo in Neubrandenburg habe aber gezeigt, dass Insulaner in der rechten Szene sehr aktiv seien.
Um dem Rechtsextremismus entgegenzuwirken, seien mehr Aufklärung und politische Bildung gefragt, aber auch breit gefächerte Freizeitangebote, die viele Jugendliche ansprechen, hieß es während des Gesprächs. Und auch Kurse für Schüler und Eltern, bei denen es unter anderem um Konfliktschlichtung und den Umgang mit Rechten gehe, seien sinnvoll.

Finanzielles Problem

Da Fremdenfeindlichkeit und rechte Einstellungen eng zusammenhingen, waren sich die Mitglieder des Präventionsrates auch einig, dass Begegnungen zwischen deutschen und polnischen Kindern und Jugendlichen unbedingt gefördert werden sollten. Es gehe darum, so früh wie möglich persönliche Kontakte zu knüpfen, bekräftigte Marion Ryba, Leiterin der Ahlbecker AWO-Kita, die bekanntlich mit einer Swinemünder Einrichtung kooperiert. Solche Projekte flächendeckend für Kindergärten und Schulen der Region zu etablieren, damit Vorbehalten von Eltern und Großeltern gegenüber Polen die Grundlage entzogen wird, lautete denn auch eine Forderung aus der Runde.
Doch dazu wird Geld benötigt, beispielsweise um Transportkosten zu decken - und das ist für Einrichtungen und Gemeinden ein Problem. Der Präventionsrat kritisierte vor diesem Hintergrund die auch bei der Pomerania geltenden EU-Förderrichtlinien, nach denen Zuschüsse nur für Projekte mit Kindern über zwölf Jahren bewilligt werden. Und vom Land müsse es mehr Initiativen geben, etwa für Sprachunterricht, hieß es. Um unabhängig davon handeln zu können, kam aber auch der Vorschlag, bei den drei Gemeindevertretungen der Kaiserbäder je 10 000 Euro für deutsch-polnische Kontakte zu beantragen.

Nordkurier-Usedom

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