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21.10.2002
Randale bei rechter Demo in Neubrandenburg
360 Rechtsradikale demonstrierten in Neubrandenburg. Dort standen sich 700 Polizisten und 500 linke Protestierer gegenüber. Sie lieferten sich eine Schlacht.
Neubrandenburg (ddp) Es war wieder ein schwarzer Samstag für Neubrandenburg. Wie im Juli 2001 marschierten rechte Kameradschaften und NPD-Mitglieder bei einer genehmigten Demonstration durch die Viertorestadt. Wieder konnten sie - von den Sicherheitskräften ungestört - stundenlang scharfmacherische Parolen grölen. Wie damals kam es auch dieses Mal zu einer Straßenschlacht zwischen linken Protestierern und der Polizei. Erneut ließen Chaoten Pflastersteine fliegen. Und auch dieses Mal wurde mit Sitzblockaden versucht, den Marsch der Rechten zu stoppen. Die Polizei antwortete mit Gummiknüppeln und dem Einsatz von Hunden.
Rund 700 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz standen etwa 500 linken Protestierern gegenüber, um 360 Rechtsradikale zu schützen. Die ernüchternde Bilanz: fünf verletzte Beamte und nach Polizeiangaben zwei leicht verletzte linke Demonstranten. Fünf Einsatzfahrzeuge und etliche Privatautos wurden demoliert. Gegen 33 Personen, fast alle aus dem linken Spektrum, wurden Strafverfahren eingeleitet, 29 vorübergehend in Gewahrsam genommen, 103 Platzverweise erteilt.
Schon zum dritten Mal innerhalb von 14 Monaten hatten Rechtsradikale Neubrandenburg heimgesucht. Wieder war der Kameradschaftsbund Usedom der Anmelder der Demo, die vom Verwaltungsgericht Greifswald genehmigt wurde. Diesmal gelang es den Rechtsextremisten sogar für Stunden, Hauptverkehrsadern im Zentrum lahm zu legen. Und zwar gegen den Protest von Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU).
Beobachter hielten den Polizeieinsatz ebenso wie jenen im Juli 2001 für unverhältnismäßig hart. Der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Matthias Borchert, zeigte sich erschüttert über die "polizeilichen Überreaktionen", wie er es bezeichnete. "Die Sitzblockaden waren friedlich, davon ging keine Gewalt aus", sagte er. Zuvor hatte der Pastor gemeinsam mit Stadtpolitikern vergebens versucht, zwischen den Fronten zu vermitteln.
Ein Höhepunkt spielte sich am Ende der siebenstündigen Demo ab. Vor dem Rathaus durften die Rechtsextremisten eine Abschlusskundgebung abhalten und ihren baldigen Einzug in den Bürgermeistersitz androhen. Neubrandenburg wurde zur "national befreiten Zone" erklärt. Redner bezeichneten die Bundesrepublik als "System mit faschistischen Machtzügen". Die Polizei hielt sich dennoch zurück. Der Einsatzleiter, Polizeidirektor Manfred Dachner, versicherte, dass der Staatsschutz alles dokumentiert habe und die Vorgänge auswerten werde.
Ostseezeitung
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