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17.10.2002
Studie: Ausländer fühlen sich wohl in Rostock - Soziologie-Studenten befragten Migranten

Rostock (OZ) Zwei Drittel der Rostocker Migranten wollen dauerhaft in Deutschland bleiben. Drei Viertel gefällt das Land gut bis sehr gut, Rostock über zwei Drittel. Ein Drittel sieht die Hansestadt bereits als neue Heimat an. 70 Prozent der Ausländer haben in Rostock keine Angst vor Fremdenfeindlichkeit.

Ergebnisse einer Studie zur Lebenssituation von Ausländern in Rostock. Die erstellten 34 Studenten des Instituts für Soziologie der Universität Rostock in einem zweisemestrigen Forschungskolloquium bei den Mikrosoziologen Prof. Peter Preisendörfer und Dr. Manuela Meyerfeldt.

Die angehenden Soziologen erarbeiteten im ersten Teil den Fragebogen. Im Februar und März dieses Jahres befragten sie 357 Migranten in standardisierten face-to-face-Interviews: zu Dauer und Gründen für den Aufenthalt in Deutschland, Kontakten zu Deutschen und Ausländern, Arbeitsmarkt und Unterhalt, Wohnsituation, emotionaler Befindlichkeit, Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit, zu Sprachkompetenz und kultureller Integration.

Die Studenten gingen in Rostocker Unterkünfte und Wohnheime für Asylbewerber, Aussiedler und jüdische Emigranten, zu Arbeiterwohlfahrt, Sozialamt, Kirche und Vereinen. Die Stichprobe der Befragten wurde teils willkürlich, teils mit der sogenannten Schneeballtechnik bestimmt. Jeder Student führte zehn Interviews, die durchschnittlich 45 Minuten dauerten. Dabei waren Sprachprobleme sehr hinderlich.

Im zweiten Teil des Kolloquiums bereiteten die Studenten Daten auf und werteten sie in den Semesterferien aus. Stefan Noël (25) und Dirk Villànyi (29) untersuchten Aspekte der sozialen Integration von Rostocker Migranten und verglichen unterschiedliche Ausländergruppen im Integrationsprozess. "Ausländer und Aussiedler in Rostock sind nicht in dem Maße, wie sie es sich wünschen, integriert. Dennoch wollen die meisten ihre eigene Kultur nicht aufgeben - ein Umstand, der kein Hindernis für die Integration darstellen muss", erklärt Dirk Villànyi. "Die Studie ist eine sinnvolle Aktion", schätzen beide Studenten ein, "das Durchexerzieren des Forschungsablaufs hat Spaß gemacht". Das Projekt hätte aber in einen größeren Rahmen eingebunden werden müssen, meinen beide, damit die Beschreibung der Lebenssituation auch über die Uni hinaus einen öffentlichen Nutzen hat. Sie befragten vor allem russische Aussiedler und waren erstaunt über die große Motivation der hochqualifizierten, aber mittellosen Menschen. Sie lernten aber auch Leute kennen, die einsam, hilflos - desintegriert - waren.

Ostseezeitung

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