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24.12.2004
Muslimischer Freund freut sich auf die Pute - Weihnachtsfest bei armenischer Familie


Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Rackelmann

Neubrandenburg. "In Armenien gibt es die Geschenke wie in Russland erst am 31. Dezember", sagt Gayane Apayan. "So lange können es meine Söhne jedoch nicht aushalten. Sevak hat mir gestern schon einen Oskar überreicht. Er hält mich für die beste Mutter der Welt und wollte nicht länger warten", fügt die 38-Jährige freudig hinzu. Ebenso gut gefällt ihr das vorzeitige Geschenk ihres jüngsten Sprosses - ein kleiner Keramik-Weihnachtsmann.

Gayane Apajan legt viel Wert auf Tradition. Schon seit drei Tagen hat sie eine bunt geschmückte Tanne in ihrem Wohnzimmer stehen. Auch soll es Heiligabend nach dem Kirchenbesuch Putenbraten geben und ein gemütliches Beisammensein. Damit wird die Migrantin nicht nur dem Ernährungsplan ihrer sportlichen drei Söhne gerecht, zwei Judokas und ein Boxer. Auch ihr algerischer Freund finde diese Variante des Weihnachtsfestes akzeptabel. Schließlich feiere er als Muslime die Geburt Christis nicht, genieße aber die Harmonie der festlichen Stunden, erklärt die Armenierin. "Er hatte sogar richtig Spaß beim Aussuchen des Baumes und schlang später begeistert die Lichterkette um die grünen Zweige", sagt sie lächelnd. Noch mehr schmunzelt sie darüber, wie stolz er die Torten für die Weihnachtsfeiern der Söhne in die Schule getragen habe. "Sie wollten, dass er das Backwerk bringt und er tat ihnen den Gefallen", erinnert sich die fröhliche Frau.

Der erste und zweite Weihnachtstag wird von den Apayans nicht sonderlich gefeiert, dafür aber umso mehr der letzte Tag des Jahres. Doch nicht nur die Familie beschenke einander. "Für uns ist der 31. Dezember Weihnachts- und Neujahrsfest in einem. Nach unserer Bescherung besuchen wir unsere Freunde, überreichen ihnen kleine Aufmerksamkeiten, trinken, essen und lachen", berichtet Gayane Apayan. "Vom 5. auf den 6. Januar feiern wir wieder gemeinsam, begrüßen dann noch einmal traditionell das neue Jahr".

Die Migrantin freut sich auf diese Ereignisse, kann aber nicht die Sorge um ihre Familienmitglieder in Armenien unterdrücken. Ihre zuckerkranke Mutter bekommt dort keine Medikamente und die Schwester keinen Lohn, so dass sie ohne ihren Garten nicht überleben könnte. Gayane Apaja hat sie seit Jahren nicht gesehen, weil ihr eigenes Asylvervahren noch läuft und sie sie deshalb nicht besuchen kann.

Nordkurier-Neubrandenburg

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