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16.10.2002
Erinnerung an jüdische Stätte in Staub getreten - Röbel: Polizei ermittelt nach Anschlag auf einstigem Friedhof
Röbel/Neubrandenburg. Beamte der Neubrandenburger Polizeidirektion ermitteln nach einem Anschlag auf einen Ort, an dem in Röbel an jüdisches Leben erinnert werden sollte, wegen Sachbeschädigung. Angesichts der Symbolik des Grundstücks an der Mirower Straße - einst soll sich an dieser Stelle ein jüdischer Friedhof befunden haben - schließen die Kriminalisten einen politischen Hintergrund für die Tat nicht aus. Der Ort des Geschehens liegt nur einen Steinwurf von der Durchgangsstraße entfernt. Sechs Stelen und eine Tafel, die junge Armenier und Deutsche Ende Juli in Röbel errichtet hatten, stehen nicht mehr. Die Beton-Lehm-Kunstwerke sind ganz offensichtlich mutwillig zerstört worden. Einzig zwei in den Boden eingelassene Platten sind verschont worden. Ansonsten ist das, was mal war, dem Erdboden gleichgemacht. Verbogen, gebrochen und umgestoßen.
Überrascht hierüber zeigte sich gestern bei einer telefonischen Umfrage der Redaktion allein Röbels stellvertretende Verwaltungs-Chefin Hannelore Guth. Erst jetzt erfuhr sie von dem Vorfall, der sich in der Nacht vom 15. auf den 16. August zugetragen hat. Eine Rückfrage im Ordnungsamt bestätigte die Nordkurier-Information. Die Zerstörung der Kunstwerke nannte Guth "sehr tragisch". Vor dem Hintergrund der Bemühungen um die Fläche des ehemaligen jüdischen Friedhofs müsse der Vorfall "sehr ernst" genommen werden, bewertete sie das Geschehene. Ähnlich äußerte sich die PDS-Stadtvertreterin Lieselotte Prehn.
Überreste gesichert
Neu war die Information der zerstörten Kunstwerke für Prehn ebenso wenig wie für Robert Kreibig vom Verein "Land & Leute". Die Mitglieder um Kreibig beschäftigen sich seit längerer Zeit mit dem nicht mehr als Friedhof zu erkennenden Areal. Das Workcamp im Sommer hatte eigens das Ziel, den Ort mittels der Stelen und Tafeln zu kennzeichnen. Es sollte an den "Guten Ort" - wie Juden Bestattungsplätze nennen - erinnern (der Nordkurier berichtete).
Vertreter des Vereins "Land & Leute" erstatteten am Tag nach der Verwüstung des Geländes Anzeige. Seither ist die Polizei am Zug. Noch sind die Täter unbehelligt. Dem Vernehmen nach gehen die Ermittlungen in alle Richtungen, hieß es.
Dass die Überreste der Werke, die junge Künstler unter Anleitung ihres erfahrenen Berliner Kollegen Leo Wolf erst in den kommenden Tagen beseitigt werden, liegt an den Eigentumsverhältnissen. Weil der Bund über die Fläche verfügt, konnte und wollte die Stadt nicht eingreifen. Der Verein "Land & Leute" - dessen Aktion dort geduldet wurde - musste eine günstige Gelegenheit abpassen. Die Überreste der Kunstwerke werden irgendwann wohl in der Röbeler Synagoge ausgestellt.
Nordkurier-Waren
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