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16.12.2004
Nur kongolesische E-Mails kommen an - Globalisierungsprojekt in Einstein- und Lessinggymnasium - Neubrandenburger Afrikaner berichten


Von unserem Redaktionsmitglied Eckhard Kruse

Neubrandenburg. "Sind die Pfefferschoten nicht im Keller, kommt nur Liebe auf den Teller." Dieser Spruch sorgte im Saal des Albert-Einstein-Gymnasium für einen Lacher. Irgendwie stimmte der Satz ja, aber andere Schüler der 13. Klassen hatten sich mehr Mühe gegeben, und notierten Gedanken wie "Des einen Nutzen ist des anderen Tod" oder "Jeder ist sich selbst der nächste, so kann es nicht weitergehen", auf ihre Zettel, die sie an die Pfeiler klebten. Zuvor hatten Katrin Slabon und Roland Schaeper vom "Fairteam" zur Einstimmung auf den Projekttag 2 ein Video vorgespielt: Darin verkaufte ein indischer Bauer eine seiner Nieren, um seien Schulden begleichen zu können. Dabei wurde er jedoch betrogen, erkrankte und konnte zu allem Übel seine Pfefferschoten nicht mehr absetzen, weil die Weltmarktpreise im Keller waren.

Danach wurde in vier Gruppen mit Entwicklungshilfeexperten diskutiert. Um den Abbau von Koltanerz im Kongo, das als Tantal-Metall in Handys verbaut wird, ging es bei Rudolf Heinrichs-Drinhaus vom Evangelischen Entwicklungsdienst, dessen Urgroßvater einst Kapitän in Vorpommern war. Und weil auch im Kongo Schüler ein Handy oder E-Mail-Anschluss haben, sollte Kontakt nach Afrika aufgenommen werden, um Fragen an die Einheimischen zu stellen. Doch merkwürdigerweise kamen nur die afrikanischen SMS an, die von Deutschland abgeschickten verschwanden irgendwo im Nirgendwo, so dass die Schüler sich per E-Mail verständigten.

Im Lessinggymnasium startete gestern Tag 1 des Projekttages des Kirchenkreises Stargard und des Eine-Welt-Ladens. Hier befragten die Abiturienten Afrikaner, die in der Viertorestadt leben und arbeiten. Pedro Moiane stammt aus Mosambik, wohnt seit 1989 in Neubrandenburg, studierte an der FH und ist nun Betreuer in den Diakonischen Werkstätten, hat eine Frau und zwei Kinder. Mitgebracht hatte er eine Capulana, eine traditionelle Bekleidung der Frauen, und führte vor, wie sie angelegt wird und wie man die kleinen Kinder mit sich trägt. Frauen sind in Mosambik nicht angesehen, wenn sie reich sind, sondern wenn sie viele Kinder haben.

Auf afrikanischen Hiphop steht Gbande Labante aus Togo. Der 29-Jährige floh aus seinem Heimatland, weil er sich gegen die dortige Diktatur engagiert hatte. Seit zwei Jahren ist er in Neubrandenburg, lebt in der Sponholzer Straße. Weil er eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre hat, arbeitet er beim Soziokulturellen Bildungszentrum, hilft Ausländern, die nicht Deutsch verstehen und gibt Deutschkurse für Anfänger. Zu Hause musste er seine Mutter und Geschwister zurücklassen, hat furchtbares Heimweh. Daheim spielte er Fußball im Stadion, feierte Partys und hörte Musik. Traurig ist er, dass er in Deutschland wenig Zivilcourage erlebt. So wurde er schon in der Disko von der Tanzfläche geschubst.

Nordkurier-Neubrandenburg

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