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16.10.2002
Dickleibige Autos rollen vor die Turnhalle - Remplin erlebt einen Diplomaten-Andrang wegen geplanten Europäisch-Arabischen Kulturzentrums
Remplin. Das Kommando haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr. Sie stoppen Autos, fragen die Fahrer nach dem Begehr und weisen ihnen Parkplätze zu. Heute muss alles seine Ordnung haben. Denn in diesem Dorf im Landkreis Demmin findet ein internationales Ereignis statt. Ein halbes Dutzend in Deutschland akkreditierter Botschafter sei auf dem Weg hierher, heißt es. In Remplin soll ein "Europäisch-Arabisches Kulturzentrum" entstehen. Mit ihrer Anwesenheit wollen die diplomatischen Exzel lenzen aus dem Morgenland die Ernsthaftigkeit des Unternehmens dokumentieren. So jedenfalls hat es Bürgermeister Birger Taeger (CDU) seinen Leuten etliche Male gesagt. Der "Verein für Europäisch -Arabische Zusammenarbeit " in München hat seit etwa zwei Jahren eine Außenstelle in der Gemeinde. Was dort geplant und besprochen wird, gilt vielen Außenstehenden seither als Spinnerei. Da soll ausgerechnet hier für viele Millionen ein syrisches Dorf nachgebaut werden, in dem Besucher arabische Kultur, Geschichte, Spei s' und Trank erleben können. Da wollten ihnen der Bürgermeister und sein Vereinsfreund Jürgen Sager wohl ein Kamel aufbinden, hieß es unter den Remplinern. Nun also ist der Tag gekommen, an dem all die großen Leute, von denen bisher die Rede war, leibhaftig vor Ort erscheinen wollen. Vereinsmitarbeiterin Marita Höhne sagt, die Polizei sei darüber informiert worden, wegen der Sicherheit und so. Die ist aber nirgendwo zu sehen.
Lang gehegtes Projekt
Also ruht alle Verantwortung auf den Schultern der Feuerwehr. Innerhalb einer Stunde rollen nach und nach die Limousinen der Botschafter heran und werden fachmännisch den Stellplätzen zugeleitet. Der Syrische hier, der Ägyptische dort und der Vetreter der Arabischen Liga daneben. Aber wohin geht es dann? Auf das diplomatische Parke tt - versteht sich. Das befindet sich in der Turnhalle. Die Oma von Max hat es auf Hochglanz gebracht. Nun hat sie den Kleinen an der Hand. Der weiß über das Ereignis bestens Bescheid. Kann jedes der dickleibigen Autos korrekt klassifizieren. Und will nach den Ferien daheim in Waren erzählen, was hier in der angeblich langweiligen Provinz los gewesen ist.
In die Turnhalle darf er nicht. Die hat jetzt einen blitzblanken Fußboden und ist mit einiger Mühe auf Gastlichkeit getrimmt worden. Sie deshalb einen festlichen Raum zu nennen, wäre jedoch maßlos übertrieben. Die Einheimischen hätten ihr Bestes getan, sagt Samy El Gindy. Er stellt sich als ägyptischer Parlamentarier vor. Im Gespräch wird deutlich, dass er sich schon seit längerem mit dem Projekt Kulturzentrum Remplin beschäftigt. Er sagt, damit in den Nordosten Deutschlands zu gehen, habe einen besonderen Sinn. Die Gegend sei dafür bekannt, dass sie im freundlichen Umgang mit exotischen Fremden erhebliche Reserven habe, womöglich in dieser Hinsicht vollkommen verkannt werde. Hierher kämen aber Touristen ohne Zahl. Da brauche nicht befürchtet zu werden, dass eine lebendige Darstellung arabischer Kultur ein Schattendasein führen müsse.
Das Bild, das in den hiesigen Medien von der arabischen Welt gezeichnet wird, scheint den versammelten Diplomaten nicht zu behagen. Soubhi Hamida spricht so. Er ist Gouverneur der syrischen Provinz Homes. Hamida sagt, er handele im Auftrag seiner Staatsführung.
Komitee gegründet
Die habe ein großes Interesse daran, dass in Remplin ein repräsentatives Stück ihrer Volkskultur und Lebensweise gezeigt werde. 26 Millionen Euro sollen fürs Erste hier ausgegeben werden. Die Pläne dafür seien gezeichnet, das Geld stehe bereit. Nun wolle man wissen, was die Exzellenzen in Mecklenburg-Vorpommern dazu sagen.
Mit dieser Neugier sieht sich der Vert reter des Landes in Berlin, Tilo Braune (SPD), konfrontiert. Der zeigt sich als höflicher Mann mit nicht minderem diplomatisch em Geschick. Ein "interessanter Ansatz" sei das, was hier zum Vortrag gebracht wurde. Immerhin habe sich der Schweriner Kultusminister die Sache schon mal angehört. Nun wird Peter Kauffold bald mehr wissen können. Denn am Ende des Tages ist ein "Internationales Planungskomitee euro-arabisches Kulturzentrum Remplin " gegründet. Nun wird es ernst, heißt es da im Dorf.
Nordkurier
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