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11.12.2004
"Integration in unserem eigenen Interesse" - Fachtagung mit Marieluise Beck
Rubèn Càrdenas ist Geschäftsführer des Ausländerbeirats in Rostock. Und wird der Peruaner gefragt, was für ihn wichtig ist, wenn es um Integration geht, nennt er drei Dinge: die deutsche Sprache, die Möglichkeit, sich den eigenen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, und ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlen kann. Sicher der Idealfall. Wie Integration von Zuwanderern aussehen müsste, wurde gestern bei einer Fachtagung der Heinrich-Böll-Stiftung im Waldemarhof diskutiert.
"Integration in unserem eigenen Interesse", plädierte Marieluise Beck, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, für eine nüchterne und von Moral losgelöste Betrachtung des aktuell so hitzig debattierten Themas. Gerade in Westdeutschland habe man 40 Jahre darauf verzichtet, den Ausländern ausreichend Angebote zur Eingliederung zu machen. Mit all den negativen gesellschaftlichen Folgen wie die inzwischen häufig zitierte Entstehung von Parallelgesellschaften.
Deutschland sei nun einmal eine Einwanderungsgesellschaft und muss damit klar kommen, so die Grünen-Politikerin. Das Ziel muss Teilhabe heißen, so Marieluise Beck. Sie spricht sich für einen "einladenden Patriotismus" aus, mit der Verfassung als oberstem Maßstab. Mit allen Rechten und Pflichten für die Zuwanderer. Dann müssten sie weder ihre Herkunft noch ihre Religion aufgeben. Klar muss aber sein, dass die Regeln des Staates höher zu bewerten sind als die der Religion, betont Beck angesichts der Debatte um den islamistischen Extremismus.
Wenn es um Integration geht, spielt sich das Leben vor allem in den Kommunen ab, hob Rostocks Ausländerbeauftragter Wolfgang Richter hervor. Wenn in der Hansestadt 30 Prozent der Migrantenkinder ein Gymnasium besuchen, sei das für Deutschland schon etwas Außergewöhnliches. Als wichtigste Aufgabe nennt er die Verknüpfung verschiedener Integrationsprojekte, die häufig nebeneinander agieren. Derzeit arbeitet die Stadt an einem Konzept, das eine Verknüpfung der Angebote für Migranten ermöglicht. "Integration kostet Geld", sagt Richter, wissend, dass Rostock kaum welches hat.
Thomas Niebuhr
Norddeutsche Neueste Nachrichten
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