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09.12.2004
Ex-Schill-Partei dümpelt unter "Fremdherrschaft" - Aus Hamburg geführter Landesverband kaum noch wahrnehmbar
Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Beigang
Neubrandenburg. Der selbstständige Kunstgewerbehändler Hansheinrich Liesberg aus Schwerin hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Der 60-Jährige residierte in der 90ern als Präsident der Industrie- und Handelskammer in der Landeshauptstadt, engagierte sich politisch und fand schließlich im Landesverband der Partei Rechtsstaatliche Offensive (Schill-Partei) seine politische Heimat. Nur von hier aus, so meinte er seinerzeit, könne man die rot-rote Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns wirkungsvoll bekämpfen. Im Kampf um den Einzug in den Landtag vor gut zwei Jahren wollte der Mann verstärkt auf "die Vermittlung alter Werte setzen, die in der DDR hoch gehalten wurden: Zielstrebigkeit und Fleiß". Schließlich wurde Liesberg im Mai des vergangenen Jahres sogar Landesvorsitzender seiner Partei.
Das alles ist Geschichte. Zielstrebig trat Liesberg vor sieben Monaten aus der Rechtsstaatlichen Offensive aus und bewarb sich mit Fleiß um Mitgliedschaft in der Schweriner CDU-Ortsgruppe. Seit dem 8. Mai - in der DDR wurde dieser Tag als Tag der Befreiung begangen - ist Liesberg Christdemokrat. Befreit hat sich der Ex-IHK-Präsident dabei in erster Linie selbst - von seiner ehemaligen Partei. "Tief enttäuscht und frustriert" sei er gewesen, so Liesberg auf Nachfrage, dass sich die Landespartei nicht an den jüngsten Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern beteiligen wollte.
Von der Partei, die sich vor den Landtagswahlen 2002 anschickte, das Schweriner Schloss zu stürmen, ist nicht mehr viel geblieben. Erbitterte Auseinandersetzungen in den eigenen Reihen und der unfreiwillige Rückzug des einstigen Frontmannes Ronald Schill (Hamburg) ins Privatleben bescherten den Newcomern, deren zwischenzeitliches Hoch in Meinungsumfragen der CDU Schweiß auf die Stirn trieb, den Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Von einst nach Parteiangaben etwa 500 zahlenden Mitgliedern sind nur wenige Dutzend bei der Stange geblieben. Nunmehr ist es gar so schlimm um die "Offensive D", so die neue Bezeichnung, bestellt, dass die hiesigen Parteiangehörigen aus der benachbarten Hansestadt Hamburg regiert werden.
"Neuaufbau unumgänglich"
Hagen Riemann ist Vorsitzender der Partei in Hamburg und vom Bundesvorstand eingesetzt als "Landeskoordinator" für Mecklenburg-Vorpommern. Notwendig machte sich die "Fremdherrschaft", weil sich der letzte Vorsitzende Thomas Schott aus Schwerin im Mai nach Ansicht der Parteiführung "undemokratisch und selbstherrlich" ins Amt gehievt habe. "Vom Landesvorstand waren nur noch drei Mitglieder übrig, die haben die Funktionen untereinander aufgeteilt", so Riemann auf Nachfrage.
Laut Schotts Ansicht ist der Ruf der Partei so geschädigt, dass ein Neuaufbau unumgänglich sei. Außerdem sei man im Gespräch mit zwei anderen Parteien, um mit denen zu fusionieren. Welche das seien, wollte Schott nicht verraten. Nur so viel - natürlich wären das keine rechtsextremistischen Organisationen.
Auf 100 Mitglieder etwa könne die Partei zwischen Elbe und Usedom noch zählen, so der Hamburger Riemann, vor drei Monaten als Landeskoordinator bestallt. Das sehe man inzwischen "alles sehr nüchtern". Für Januar habe er ein Treffen geplant mit Leuten, die einst engagiert mit dabei waren. Dann müssten die Kreisverbände wieder von unten neu aufgebaut werden (laut dem Internet-Auftritt der Partei existieren Ortsverbände nur noch in Neubrandenburg, Parchim, Schwerin und Greifswald). Der selbstständige Kaufmann Riemann plant, im Oktober oder November wieder ordentliche Wahlen für einen Landesvorstand durchführen lassen zu können. Und dann wolle man auch wieder in der Öffentlichkeit bemerkbar sein.
Damit habe er Erfahrung, kündigt Liesberg an, schon in Hessen sei der Landesverband von ihm aufgebaut worden. Oberstes Ziel für die Partei in Mecklenburg-Vorpommern müsse sein, zu den Landtagswahlen 2006 wieder antreten zu können und das damalige Ergebnis stark zu verbessern.
Vor gut zwei Jahren ergatterte die Partei bei den Wahlen um den Einzug in das Schweriner Schloss kümmerliche 1,7 Prozent der Zweitstimmen.
Nordkurier
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