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07.12.2004
Sitten anderer Länder kennen lernen - Asylantrag sichert Familie aus Tschetschenien ruhige Tage fern der Heimat
Steinhagen - Kleine Nikoläuse, festlich bedruckte Servietten, Tannenzweige und Kerzen - im Büro von Eckhardt Prell, Leiter des Asylbewerberheimes in Steinhagen, erinnert vieles daran, dass in Kürze Weihnachten gefeiert wird. In seinem Arbeitszimmer geben sich täglich rund 17 Nationen die Klinke in die Hand. Albanien, Afghanistan, Türkei, Togo, Serbien, Nigeria sind nur einige der Länder, aus denen die hundert Menschen im Asylbewerberheim kommen.
Viele wissen mit Weihnachten gar nichts anzufangen, weiß Eckhard Prell. "Aber wir sind ja in Deutschland, da sollten sie schon unsere Bräuche und Sitten kennen lernen", sagt er. Am 21. Dezember wird es ein Fest geben, zu dem auch Familien mit kleinen Kindern eingeladen sind. Ein kleines Geschenk und Schokolade wird es dann auch für Kamila Akhmedov geben. Die Zweijährige ist die Tochter von Arsen und Shovba Akhmedov, die beide seit Oktober 2003 in Steinhagen leben. Nach Feiern ist den beiden jedoch nicht zumute. Bewegt erzählt er von seiner Heimat. Mit den wenigen deutschen Worten, die er spricht, versucht er immer wieder zu beschreiben, dass seine Familie in Tschetschenien in Angst lebe. Noch immer würden dort täglich Erwachsene und Kinder umgebracht. Selbst 15-Jährige dürften nicht auf Gnade hoffen, sagt der Familienvater, der selbst im Krieg war und mehrmals vom russischen Militär festgenommen wurde, wie er sagt. Deutsche Ärzte haben ihm ein Schädel-Hirn-Trauma als Kriegsfolge attestiert, zusätzlich zu den schlimmen Erinnerungen hat er oft Epilepsieanfälle. Gründe für ihn, in Deutschland um Asyl anzusuchen. "Ich habe in der Schule Deutsch gelernt, aber durch den Krieg ist jetzt fast alles wieder weg", sagt er. Vater, Mutter und die Schwester leben noch in Tschetschenien, nur einmal im Monat kann er sich telefonisch nach ihnen erkundigen. Gern würden er und seine Frau mit Tochter Kamila und dem vier Monate alten Sohn Alichan hierbleiben, Deutsch lernen, arbeiten, sich eine Zukunft aufbauen. Weihnachten werden sie sich in erster Linie fragen, wie es nächstes Jahr weitergeht.
Susanne Holz
Schweriner Volkszeitung-Bützow
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