|
12.10.2002
Schandtaten wieder bereinigt - Schüler und Studenten halfen bei Arbeitseinsatz auf dem jüdischen Friedhof in Bützow
Bützow Die Restauration des jüdischen Friedhofs ist bald abgeschlossen. Zu den reparierten Grabsteinen kam gestern ein neuer Zaun. Viele Jugendliche opferten Zeit und Kraft, den geschändeten Friedhof wieder herzustellen. Gestern fand der zweite Arbeitseinsatz auf dem Jüdischen Friedhof in Bützow statt. Viele fleißige Helfer vom Geschwister-Scholl-Gymnasium und einige Studenten aus Rostock setzten sich für die Restauration des Friedhofs ein. Unter der Leitung von Johann Georg Jaeger, ehemaliger Landtagskandidat der Grünen, errichteten die Jugendlichen einen neuen Maschendrahtzaun. Jaeger erklärt: "Ich habe aus der Zeitung erfahren, dass der Friedhof geschändet wurde. Als ich Abitur machte, haben wir auch oft Arbeitseinsätze gemacht. Und da die Jugendlichen sofort Eigeninitiative zeigten, habe ich diese Aktion organisiert." Ein Baumarkt in Rostock spendete den Zaun und Farbe, berichtet Jaeger dankbar. Bützows Pastorin Antje Brandner erklärt, dass jüdische Friedhöfe generell eine in sich geschlossene Form haben. Deshalb wurde zur Verschönerung des Zauns eine Hecke aus Lebensbäumen gepflanzt. 245 Euro haben die Menschen für die Erneuerung des jüdischen Friedhofs gespendet, berichtet die Pastorin weiter. Die Arbeit wurde geteilt. Monic Clement vom Geschwister-Scholl-Gymnasium grub Löcher für die Lebensbäume. "Ich halte diese Aktion für eine gute Sache. Man darf nicht nur Ideen haben, sondern muss auch aktiv werden", erzählt die Schülerin. Studentin Sandra Friedrich und ihr Freund Holger Koepe aus Rostock schnitten die Bäume frei, damit der Zaun errichtet werden konnte. " Hier wurde etwas zerstört, also helfen wir. Wir wollen ein Zeichen setzen", erklärt die Studentin. Johann Georg Jaeger erzählt mit Freude in der Stimme: "Der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinde Mecklenburg Vorpommerns hat sich in einem Schreiben bedankt und war sehr gerührt. Wir denken sogar über ein Filmprojekt nach." Und Antje Brandners Augen leuchten, wenn sie an den Donnerstag denkt, an dem alles begonnen hat. Der Landesrabbiner, Atheisten, der Steinmetz und Mitglieder der evangelischen Kirchgemeinde kamen zusammen. "Ich fand das so stark, wie wir alle geistig verbunden waren, unter dem hebräischen Gebet", berichtet die Pastorin. Ihr Dank gilt allen engagierten Helfern, die keine Anstrengung gescheut haben, den jüdischen Friedhof wieder herzustellen.
Schweriner Volkszeitung-Bützow
|