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15.11.2004
Feierstunde als Macht erzählter Geschichte - Gedenken an die 23 000 Toten von Swinemünde
Kamminke/Zirchow (sd). Gemeinsam mit rund 250 Gästen von beiden Seiten der deutsch-polnischen Grenze hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestern Nachmittag am Golm der Opfer von Krieg, Vertreibung und Gefangenschaft gedacht. Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) nannte den Volkstrauertag einen "Tag gegen das Vergessen, wohin Intoleranz, Hass und Gewalt führen". Und Superintendent Ulrich Tetzlaff beschwor die "Macht der erzählten Geschichte", die es an Nachkriegs-Generationen weiterzugeben gelte. Und so hielten zwei Schülerinnen der Regionalschule Ahlbeck das Totengedenken - an die Opfer gewaltsamer Auseinandersetzungen insgesamt und an jene 23 000 Menschen im Besonderen, die bei der Bombardierung Swinemündes am 12. März 1945 ums Leben kamen und auf dem Golm ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Wie in den vergangenen Jahren sicherte ein Großaufgebot der Polizei die Feierstunde. Denn rund 170 Anhänger der rechten Szene Ostvorpommerns und des Uecker-Randow-Kreises nutzten den Volkstrauertag, um vor dem offiziellen Festakt ihr "Heldengedenken" zu begehen. Bei einigen von ihnen stellten die Ordnungshüter die Personalien fest; es bestehe der Verdacht des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole, hieß es von der Polizei.
Landtagspräsidentin Bretschneider nannte in ihrer Rede den Einzug rechtsextremer Parteien in Parlamente besorgniserregend - ebenso wie die Anziehungskraft dieser Parteien auf gewaltbereite Jugendliche. "Die Ziele der Rechten müssen öffentlich skandalisiert werden", forderte die Politikerin, die das zunehmend selbstbewusste Auftreten der Extremisten als Nagelprobe für den Rechtsstaat ansieht: "Wie fest demokratisches Verständnis in der Bevölkerung verwurzelt ist, zeigt sich im Umgang mit Minderheiten und Randgruppen", mahnte sie. Bereits am Vormittag war in Zirchow ein Gedenkstein für die Kriegsopfer geweiht worden.
Nordkurier-Usedom
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