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11.11.2004
Neue Details zu düsterer Geschichte erfahren - Delegation in Polen auf den Spuren von KZ-Leiden
Ludwigslust/Wöbbelin - Eine vierköpfige Delegation des Vereins der Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust e.V. weilte Anfang November in Warschau. Sie führte Gespräche mit Kameradinnen und Kameraden der Polnischen Nationalen Lagergemeinschaft des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme und der Lagergemeinschaften der ehemaligen KZ Ravensbrück und Sachsenhausen. Mit der Delegationsleiterin Simone Hantsch, Vorsitzende des Fördervereins der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, sprachen wir über das Ergebnis der Reise.
Frage: Was war das Anliegen?
Simone Hantsch: Wir wollten uns mit denjenigen treffen, die das Lager überlebten und Frauen kennen lernen, deren Todesmarsch vor Wöbbelin endete. In Interviews erfuhren wir neue Einzelheiten über das Lager, über die Geschehnisse im Lager und über die Standorte sowie Bedeutungen der Baracken. An Hand von mitgenommenen Luftaufnahmen konnte vieles identifiziert werden. Erschütternde Lebensgeschichten begleiteten die Gespräche. Die meisten Lagerinsassen sind kurz nach dem Warschauer Aufstand als 16 bis 17-jährige Mädchen und Jungen in KZ transportiert worden.
Frage: Warschau selbst wurde durch SS und Wehrmacht nahezu zerstört, welche Spuren zeigen sich in der Stadt und bei den Menschen heute?
Simone Hantsch: Wir haben Bilddokumentationen gesehen, die zeigten, hier gab es nicht einmal mehr Ruinen, kein Stein lag mehr auf dem anderen. Überall ist zu spüren, die Stadt lebt mit der Geschichte. Denkmale zum Warschauer Aufstand und zum Ghetto, Tafeln an Häusern... Vieles weist auf die Zerstörung und den Wiederaufbau hin. Das Ausmaß des Leides, das dem polnischen Volk zugefügt wurde, ist kaum zu erfassen. Die Warschauer werden diese Geschichte von Generation zu Generation in Erinnerung behalten. An Allerheiligen zog es tausende Warschauer mit brennenden Kerzen auf die Friedhöfe.
Frage: Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie persönlich aus dem Erlebten?
Simone Hantsch: Warschau ist eine Reise wert, das Schmerzhafte der Geschichte gehört dazu. Die Begegnungen mit Zeitzeugen müssen der jungen Generation noch mehr Erfahrungen vermitteln darüber, was aus Nationalismus, Fanatismus und Menschenverachtung entstehen kann. Ich würde mir wünschen, dass die Gedenkstätten und ihre Archive mehr Beachtung im Geschichtsunterricht finden. Zum 2. Mai, dem 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Wöbbelin, werden wir viele Interviewpartner hier wiedertreffen.
Interview: Jürgen Schwarzenberg
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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