Presse-Schau

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10.11.2004
Gedenken an Antisemitismus-Opfer - Gemeinde Altstrelitz und Schüler des Carolinums erinnern an Pogromnacht

Neustrelitz (wk). An den Beginn der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten am 9. November 1938 erinnerten gestern Mitglieder der Kirchengemeinde Altstrelitz gemeinsam mit Schülern des Carolinums. Den planmäßigen Ausschreitungen in der sogenannten Pogromnacht war 1938 unter anderem die Altstrelitzer Synagoge zum Opfer gefallen. Die Gedenkveranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof am Kalkhorstweg wurde musikalisch vom Strelitzer Bläserchor umrahmt. In einer Ansprache stellte Pfarrer Klaus Kuske die Wurzeln und die Folgen des Antisemitismus dar. Eine Schweigeminute und das Jüdische Kaddish-Gebet beendeten die Veranstaltung.

Zu Beginn hatte eine Gruppe von etwa 15 rechtsorientierten Jugendlichen das Gedenken mit lauten Zwischenrufen gestört. Die Polizei war mit vier Einsatzwagen vor Ort und sprach einen Platzverweis aus.

Nordkurier-Neustrelitz

10.11.2004
Stilles Gedenken auf dem jüdischen Friedhof

Rostock-Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Etwa 200 Menschen versammelten sich gestern auf dem jüdischen Friedhof, um der Pogrome vor 66 Jahren zu gedenken. Bei anti-jüdischen Ausschreitungen 1938 ging in Rostock auch die prächtige Synagoge in Flammen auf. Heute hat die Rostocker jüdische Gemeinde wieder etwa 650 Mitglieder und im September diesen Jahres bezog sie das neue jüdische Gemeindezentrum, zu dem auch eine Synagoge gehört.

"Vor einigen Wochen besuchte uns ein jüdisches Ehepaar aus den USA in unseren neuen Räumen", berichtete der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Rostock, Juri Rosov, gestern Abend. "Sie fragten ständig - warum leben Juden wieder hier in Rostock? Ich antwortete, dass wir nicht wollen, dass die Vertreibung der Juden im Dritten Reich wirklich das Ende jüdischen Lebens in Rostock bedeutet. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wir leben gern hier. Und wir sind dankbar, dass die Stadt, obwohl das Geld so knapp ist, uns beim Umbau des Gemeindezentrums so unterstützt hat".

Rostock ist daran gelegen, so betonte gestern auch die amtierende Oberbürgermeisterin Ida Schillen, dass sich die jüdische Gemeinde in der Stadt entwickeln kann. Die Gedenkstunde beim Jüdischen Friedhof wurde vor Jahren von den christlichen Kirchgemeinden ins Leben gerufen. Dass gestern Juden, Christen und Atheisten gemeinsam der Pogrome gedachten, ist ein Zeichen, dass jüdisches Leben in Rostock wieder Normalität wird.

DAGMAR AMM

Ostseezeitung-Rostock

10.11.2004
Ein Zeichen gegen das Schweigen gesetzt - Gedenkstunde zur Pogromnacht vor 66 Jahren

Altstadt (CK) - Mehr als 200 Schweriner haben gestern Abend auf dem Schlachtermarkt an die so genannte "Reichspogromnacht" vor 66 Jahren erinnert. Die Mahn- und Gedenkstunde, zu der der Arbeitskreis "9. November 1938", die Stadt und die Jüdische Gemeinde eingeladen hatten, stand unter dem Titel "Mauern des Schweigens". Mit Texten des Theologen und Schriftstellers Jochen Klepper wurde an den Beginn der systematischen Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten erinnert und zugleich ein Zeichen gegen das Verdrängen und Vergessen gesetzt.

Das Gedenken an das begangene Unrecht dürfe nicht allein in Büchern stattfinden, sondern müsse die Herzen der Menschen erreichen, sagte Landesrabbiner William Wolff. Das gemeinsam getragene Leid beinhalte dabei schon den Kern des Trostes. Wolff gedachte auch der nicht-jüdischen Bürger, die sich während der NS-Zeit für Juden eingesetzt hatten, und bezeichnete das heutige Deutschland als eine offene, liberale und tolerante Gesellschaft.

Im Anschluss an die Gedenkfeier fand im Perzinasaal der Stadtbibliothek ein Benefizkonzert zugunsten des Fördervereins Jüdisches Gemeindezentrum statt, präsentiert vom Schweriner Konservatorium. Junge Musiker aus der Landeshauptstadt, die beim Wettbewerb "Verfemte Musik" und bei "Jugend musiziert" erfolgreich waren, sowie Künstler aus der Jüdischen Gemeinde spielten Werke unter anderem von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Pavel Haas, Hans Krása und Frederic Chopin.

Schweriner Volkszeitung-Schwerin

10.11.2004
Gedenkfeier für die Greifswalder Juden

Greifswald - Anlässlich des Gedenkens an den 66. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 fand gestern um 13 Uhr auf Initiative des "Arbeitskreises Kirche und Judentum in der Pommerschen Evangelischen Kirche" an der Erinnerungstafel für die jüdischen Bürger Greifswalds eine Gedenkfeier statt. Worte des Gedenkens an die Greifswalder Juden, mit einen kurzen Rückblick ihrer Geschichte, sprach die Vorsitzende des Arbeitskreises, Prof. Dr. Julia Männchen. Sie erinnerte an die jüdischen Bürger der Hansestadt, die in der Innenstadt zunächst als Kaufleute und normale Bürger ihrer alltäglichen Arbeit nachgingen, bis die gnadenlose Verfolgung der Nazis einsetzte. Schon im Greifswalder Adressbuch von 1942 waren keine Juden mehr zu finden.

Die Gedenkfeier wurde mit Trompetenspiel und der Rezitation von Gebeten und Gedichten von Jehuda Anichai, Leiser Wolf, Awrom Suzkewer und P. Cybulksi beendet. Ein brennendes Windlicht unter der Gedenktafeltafel erinnert künftig auch weiterhin an das tragische Schicksal der Greifswalder Juden.

H.-J. SCHUMACHER

Ostseezeitung-Greifswald

10.11.2004
Demmin gedenkt der Pogromnacht - Kränze niedergelegt

Demmin (tp). Der Präsident der Demminer Stadtvertretung, Bernhard Pollok, und Abgeordnete der CDU- und der PDS-Fraktion, Bürgermeister Ernst Wellmer und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie Stadtchronist Heinz-Gerhardt Quadt haben gestern auf dem alten jüdischen Friedhof Kränze niedergelegt und der Opfer der antijüdischen Exzesse gedacht. Anlass war die 66. Wiederkehr der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Auch diese schlimmen Ereignisse gehören leider zur Demminer Geschichte, sagte Bürgermeister Wellmer während des stillen Gedenkakts: Wir wollen gemeinsam dafür Sorge tragen, dass nie wieder Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Geschlechts, wegen einer Behinderung oder aus anderen Gründen verfolgt und verspottet werden. Das sind wir den Opfern der Reichspogromnacht schuldig.

Auch auf Demmins jüdischem Friedhof waren während der von den Nazis höhnisch Kristallnacht genannten Pogrome die Grabsteine zerstört und umgestürzt worden.

Nordkurier-Demmin

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