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09.11.2004
Acht jüdische Familien lebten in Ueckermünde - Nur wenige überlebten Vernichtungspolitik
Ueckermünde. Der PDS-Ortsvorstand erinnert an den 9. November 1938 und schildert, was damals in Ueckermünde geschehen ist. In einer zentral gesteuerten und straff durchorganisierten Aktion wurden die Geschäfte jüdischer Inhaber zertrümmert, Synagogen verwüstet und angezündet und zahlreiche Juden verhaftet. Es gab auch Todesopfer. Willfährige "Volksgenossen" stellten sich fast überall entsprechend den Parolen der Nazi-Anführer für die Drecksarbeit zur Verfügung, selbst Schulkinder wurden mit herangezogen. Letzteres ist leider auch aus Ueckermünde überliefert. Der Boykott jüdischer Kaufleute hatte allerdings schon im Frühjahr 1933 begonnen. 1935 folgte mit den Nürnberger Gesetzen eine weitere Stufe der Ausgrenzung und Unterdrückung jüdischer Bürger. Auf eine solche Gelegenheit wie den Pogrom vom 9./10. November 1938 hatten die Nazi-Machthaber nicht nur gewartet, sondern zielstrebig hingearbeitet. Sie selbst erfanden dafür das beschönigende Wort "Reichskristallnacht". Von jetzt ab ging es Schlag auf Schlag: Über den Raub jüdischen Eigentums ("Arisierung der Wirtschaft") und die Verjagung der Juden bis zur physischen Vernichtung in den Todeslagern. Auch in Ueckermünde sind die Auswirkungen dieser unmenschlichen Politik voll zum Tragen gekommen. 1936 gab es in der Stadt mit hoher Wahrscheinlichkeit acht jüdische Familien beziehungsweise Haushalte, darunter die bekannten Kaufleute Daus, Pleß, Ruschin und den Arzt Dr. Glaser. Nach den ersten Kriegsjahren waren sie nicht mehr da. Einige konnten ins Ausland entkommen, nur wenige überlebten den Ausrottungsfeldzug nachweislich, von anderen fehlt jede Spur.
Mit einzelnen Nachfahren der ehemaligen jüdischen Ueckermünder konnte in den vergangenen Jahren brieflich Kontakt aufgenommen werden, teilte Heinz Schönmeier vom PDS-Ortsvorstand mit. Ende September 2004 besuchte Professor Shlomo Ruschin aus Israel mit Frau und Tochter erstmalig die Heimatstadt seiner Großeltern. Das Ueckermünde von heute war für die Familie ein denkwürdiges und wunderbares Erlebnis.
Nordkurier-Ueckermünde
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