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03.11.2004
Breite Front gegen Rechtsextreme - Während sich die Neonazis in den ländlichen Gebieten ausbreiten, meiden die Radikalen aus Angst vor Protesten die Hansestadt.
Stadtmitte - Die Hansestadt Rostock bietet für Rechtsextremisten kaum fruchtbaren Boden. Zu dieser Einschätzung kommen verschiedene Initiativen und Experten der Rostocker Uni. "Die offenkundigen Aktivitäten der Rechtsextremen sind in Rostock kontinuierlich rückläufig", sagt Lena Fassnacht, Geschäftsführerin der Bürgerinitiative Bunt statt Braun.
Diese Tendenz sieht Michael Noetzel vom Verein "Lobbi", einer Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, ähnlich: In der Hansestadt sei es "vergleichsweise ruhig". Zunehmend verlagern die Neonazis ihre Aktivitäten und drängen etwa mit Info-Tischen oder anderen Aktionen in kleinere Städte des Umlands. Erst kürzlich hätten sich die Radikalen auf Ständen in Bad Doberan und Güstrow präsentiert - Proteste dagegen habe es nicht gegeben.
Während die NPD und rechtsradikale Kameradschaften in anderen Teilen des Landes Erfolge hätten, sei "Rostock bislang kein Schwerpunkt der Rechtsextremen gewesen", erklärt auch Dr. Gudrun Heinrich, Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaften der Uni Rostock. Als Grund sieht Bunt statt Braun eine breite Front von Menschen, die sich etwa bei Aufmärschen "in kreativer Form" gegen die Neonazis stellen, so Lena Fastnacht.
Die NPD würde sich nicht auf Rostock konzentrieren, so Michael Noetzel. Die Aktiven befürchteten, dass es hier zu massiven Protesten kommen würde. "Die Rechtsradikalen haben in Rostock keinen Rückhalt in der Bevölkerung", betont er. Um diese Tendenzen hier auch künftig im Keim zu ersticken, brauche es viele Menschen, die "öffentlich etwas gegen Rechtsextremisten tun".
Jugendliche fänden in der Hansestadt viele Alternativangebote und müssten sich nicht - wie in vielen ländlichen Regionen - "an der Bushaltestelle" treffen, so Dr. Gudrun Heinrich, die an der Uni das Xenos-Projekt "Vielfältige Arbeitswelt gegen Rechtsextremismus" betreut. Im Rahmen dieses EU-geförderten Projektes veranstaltet die Uni regelmäßig Fortbildungen für Berufsschullehrer. Am Freitag findet in Rostock eine Tagung zum Thema "Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern" statt. Außerdem wird morgen Abend der Film "No Exit" über eine rechtsextreme "Kameradschaft" in Frankfurt/Oder im Li.Wu. gezeigt.
"Der Rechtsextremismus in M-V wird zunehmend durch die neonazistische Kameradschaftsszene geprägt", schreibt das Innenministerium in einer aktuellen "Lagedarstellung" (www.mv-regierung.de). Von insgesamt neun "Kameradschaften" wird eine für den Bereich Rostock genannt. Die NPD habe in der Hansestadt zwar einen Kreisverband, die Mitglieder seien aber nicht aktiv.
AXEL MEYER
Ostseezeitung-Rostock
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