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10.10.2002
Rostocker helfen KZ-Gedenkstätte Theresienstadt - Benefizveranstaltung im Theater am Stadthafen

Unter dem Hochwasser im August litt auch Theresienstadt. Jetzt hilft Rostock der KZ- Gedenkstätte, in der auch viele Juden aus der Hansestadt starben, mit einem Benefizkonzert.

OZ-Bild Rostock/Theresienstadt (ddp) Dem Philosophen Emil Utitz hatte es nichts genutzt, dass er bereits als junger Mann seine Konfession ablegte. Für die Nationalsozialisten galt der Professor, der von 1912 bis 1922 an der Universität Rostock lehrte, weiterhin als Jude. Sie internierten ihn im Ghetto Theresienstadt, das auch für viele Rostocker den Tod bedeutete. Inzwischen haben die Städte in Tschechien und M-V freundschaftliche Bande geknüpft, die derzeit ganz besonders wichtig sind. Denn das Hochwasser im August hat in der Gedenkstätte für die KZ-Opfer in Theresienstadt schwere Schäden angerichtet. Ohne finanzielle Hilfe müsste sie auf unabsehbare Zeit schließen.

Die Schlamm-Massen haben den Friedhof verwüstet, das Inventar des Museums und der Jugendbegegnungsstätte zerstört und das historische Archiv überflutet. Der Schaden beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro. Das Geld für die dringend notwendigen Reparaturen kann die tschechische Kommune aus eigener Kraft nicht aufbringen. Die Hansestadt will nun mit einem Benefizkonzert dazu beitragen, dass die Gedenkstätte wieder aufgebaut wird.

Bei der musikalisch-literarischen Veranstaltung "Theresienstadt in Not" werden Rostocker Künstler am Sonntag auch Texte von Emil Utitz vortragen, der die Internierung überlebte. "Ich selbst verlor 60 Pfund, ohne eigentlich zu leiden. Angst gab es, sogar panische Angst, wenn Transporte abgehen sollten", schrieb er später. "Etwas von dieser Angst durchzitterte das ganze Dasein, dessen Boden ohnehin unsicher war." Utitz starb 1956 in Jena.

Das Benefizkonzert wird von Künstlern des Volkstheaters, der Compagnie de Comedie und der Hochschule für Musik und Theater bestritten. Musikalische Beiträge und Texte sollten an die vielen Rostocker Juden erinnern, die im 2. Weltkrieg im Internierungslager ihr Leben verloren, sagte Frank Schröder vom veranstaltenden Max-Samuel-Haus. Die Eintrittskarten für die Veranstaltung im Theater im Stadthafen, die um 16 Uhr beginnt, kosten 15 Euro. Der Gesamterlös wird für den Wiederaufbau der Gedenkstätte gespendet. Karten gibt es im Vorverkauf beim Volkstheater Rostock (0381/ 381 47 00).

Theresienstadt wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Garnisonsstadt gegründet. Die Nationalsozialisten funktionierten die Stadt 1941 zu einem ghettoähnlichen Lager um, in dem Juden aus Böhmen und Mähren sowie aus Deutschland und anderen Ländern interniert wurden. Als "jüdische Mustersiedlung" getarnt, wollte man hier die Ermordung der europäischen Juden vor der Weltöffentlichkeit verschleiern.

Viele Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler waren in Theresienstadt interniert. Orchester, eine Oper, eine Theatergruppe und Kabaretts gehörten zum kulturellen Leben, das von permanenter Todesangst ablenken sollte. Vorlesungen und Seminare wurden abgehalten. Es gab eine Bibliothek mit 60 000 Büchern.

In Theresienstadt wurden 140 000 Juden interniert, darunter viele ältere Menschen, die im Lager durchschnittlich nur drei Monate überlebten. Zeitweise waren etwa 53 000 Menschen auf einer Fläche von rund 115 000 Quadratmetern zusammengepfercht. 33 000 Männer, Frauen, Kinder starben. 88 000 weitere wurden in die Vernichtungslager deportiert.

Unter den Opfern waren auch Rostocker Juden wie der langjährige Straßenbahnchef, Richard Siegmann, und die Gründerin des Fröbelschen Kindergartens, Marie Bloch.

Ostseezeitung

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