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23.10.2004
"Hier werde ich als Neger beschimpft" - Künstler muss immer wieder Beleidigungen einstecken - jetzt will er Schwerin verlassen
Mueßer Holz - Ein kleiner Vorfall nur, ein paar Pöbeleien, von denen niemand Notiz nimmt - außer dem Betroffenen. Für ihn machen sie das Maß übervoll. "Ich fühle mich in Schwerin nicht mehr erwünscht", sagt er. Dies ist seine Geschichte. Eine Geschichte von der ganz normalen Ausländerfeindlichkeit..
Ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit musste Hoegnifio Ablam wieder einmal erfahren, was einem blühen kann, wenn man optisch etwas aus dem Rahmen fällt. Denn Hoegnifio, den seine Freunde nur Abraham nennen, ist dunkelhäutig. Hinter seinem Rücken nennen ihn viele schlicht und böse "Neger".
So auch am 3. Oktober wieder: Der 39-Jährige ist mit seinen zwei Kindern auf dem Weg nach Hause, als er in der Max-Planck-Straße einer Clique junger Leute begegnet. Da ist es wieder, das böse Wort: "Ich hörte nur: ,Du Neger', bin aber weitergegangen", berichtet Abraham. Aber als ihm ein weiterer junger Mann entgegengekommen sei, habe er aus dessen Mund wieder gehört, was er überhaupt hier wolle... Abraham: "Ich solle dahin zurückgehen, wo ich herkomme, hat er gesagt."
Abraham kommt aus Afrika, aus dem Togo, aber er lebt schon seit acht Jahren in Schwerin, arbeitet als Künstler und engagiert sich besonders in der Jugendarbeit, will Vorurteile abbauen, Unwissen beseitigen.
Vergeblich? Ja, er habe manchmal das Gefühl, sagt er: "Ich muss so oft, fast regelmäßig, Beleidigungen einstecken." Auch seine Kinder seien von Klassenkameraden in der Schule schon schon mit "Ihr Neger, wir brauchen euch hier nicht" geschmäht worden.
Irgendwann sei das Maß voll, sagt der Künstler und zählt weitere Gelegenheiten auf, bei denen er böse Worte einstecken musste oder Schlimmerem nur knapp entkommen ist: Im August war er mit seiner Tochter in der Straßenbahn unterwegs - und wurde von Jugendlichen übel beschimpft. Eine Freundin sei auf dem Weg zu ihm sogar mit einer Bierflasche beworfen worden. Und bei einer Gelegenheit - wieder in der Straßenbahn - habe ihn selbst die Faust eines Pöblers nur knapp verfehlt. Schon damals dabei: Der junge Mann, der ihn am 3. Oktober zuerst beschimpfte. "Ich kenne ihn schon, der heißt Matthias, ist sozusagen mein Nachbar", sagt Abraham. Matthias beschimpfe ihn besonders gern, wenn er sich damit vor seiner Clique produzieren könne: "Ich habe ihn mal getroffen, da war er allein - und ganz ruhig."
Immer wieder Beschimpfungen, immer wieder die Angst, wenn er am Brunnen in der Max-Planck-Straße auf dem Heimweg vorbei gehen muss, wo Matthias und seine Kumpels sich mit Bier in Stimmung bringen. Abraham hat die Nase voll. "Wenn ich abends auf die Straße muss, kriege ich Angst." Deshalb denke er daran, Schwerin zu verlassen: "Ich habe schlicht das Gefühl, hier nicht erwünscht zu sein."
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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