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20.10.2004
Zwei Schülerinnen aus Grevesmühlen gründen eine Gruppe gegen Gewalt
Gewalt an Schulen? Zwei Schülerinnen des Grevesmühlener Gymnasiums am Tannenberg sagen: "Nicht mit uns." Sie haben eine Gruppe gegen Intoleranz und Gewalt von Rechts gegründet.
Susann Lobatz und Charlotte von Coler haben die Nase voll. Fast täglich erleben die Schülerinnen des Tannenberg-Gymnasiums in Grevesmühlen Pöbeleien und Prügeleien auf dem Schulhof. Sie haben beides satt und wollen etwas dagegen tun. "Wir haben eine Gruppe für mehr Toleranz und gegen Gewalt, besonders die von Rechts, gegründet", sagt Susann.
22 Jugendliche kamen zum ersten Treffen, das die beiden 14-Jährigen in der vergangenen Woche organisiert hatten. Dabei fand die Idee von einem Kalender für 2006 großen Zuspruch. "Wir haben uns das so gedacht, dass wir uns in Gruppen aufteilen und jede das Blatt für einen Monat entwirft", erzählen die beiden. Karikaturen, Fotos und Texte sollen für Toleranz werben, und finanziert werden soll der Kalender über Spenden. "Wir wollen auch kleine Filme machen und hoffen, dafür von Grevesmühlen TV eine Kamera leihen zu können", erklärt Charlotte. Erfahrungen in der Arbeit hinter der Kamera haben sie und ihre Freundin beim Kinder- und Jugendfilmstudio gesammelt. Und natürlich gehören Gesprächsrunden zu den Plänen der Gruppe.
Auslöser der Idee waren eigene Erfahrungen mit Intoleranz. "Wenn du dich nur ein bisschen anders anziehst als die anderen, wirst du schon geärgert und gehänselt", sagt Charlotte. Und Susann erzählt: "Mein Ex-Freund hat so einen italienischen Einschlag und hatte deswegen mal Probleme mit Rechten." Da habe sie sich das erste Mal gefragt: "Warum haben die etwas gegen Ausländer?" Und sie verspürte den Wunsch, dagegen etwas zu tun.
Der gewaltsame Tod von Christian H. im Mai in der Wismarschen Straße habe diesen Wunsch dann noch verstärkt. Ihre Mutter, Grevesmühlens Stadtjugendpflegerin Doris Lobatz, habe ihr dann geraten, eine Gruppe für mehr Toleranz zu gründen.
Die beiden Mädchen sind mit Feuereifer dabei. "Wir haben gemerkt, dass viele nur auf so eine Gelegenheit gewartet haben, um sich zu engagieren", sagt Charlotte. "Zehn Meldungen sind allein aus meiner Klasse gekommen", ergänzt Susann. Dabei gebe es am Tannenberg-Gymnasium im Vergleich zu anderen Schulen "von denen ich weiß, sehr, sehr, sehr wenige Übergriffe".
Gewalt beginnt bei den beiden jungen Menschen nicht erst, wenn Fäuste fliegen, sondern schon bei Verbalattacken. "Es sind die Pöbeleien auf dem Schulhof, die wir täglich erleben, und das Lästern hinter dem Rücken von Betroffenen", erklärt Charlotte. Beides sei verletzend - und beidem soll die Gruppe mutig entgegentreten. "Allein steht man Aggressionen ziemlich hilflos gegenüber, zu mehreren traut man sich eher, dazwischen zu gehen", ist Susann sicher.
Die Reaktionen nach dem ersten Treffen waren ermutigend. "Die meisten Teilnehmer wollen wiederkommen", sagt Susann erfreut. Charlotte und sie hoffen, dass sich die Gruppe innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen sogar auf 30 Interessenten vergrößert. Wer bei "Jugendliche für mehr Toleranz und gegen Gewalt von Rechts" mitmachen will, kann sich bei Susann Lobatz oder telefonisch auch bei Doris Lobatz im Jugendzentrum melden.
Die Gruppe trifft sich immer donnerstags kurz nach 14 Uhr im Raum 226 des Tannenberg-Gymnasiums in Grevesmühlen. Wegen der Ferien findet das nächste Treffen allerdings erst am Donnerstag, 28. Oktober, statt.
Von Sylvia Kartheuser, LN
NordClick.de
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