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18.10.2004
Neonazis marschierten durch die Stadt

Stralsund - Ohne die befürchteten Krawalle endeten am Sonnabend ein "Trauermarsch", zu dem die rechtsextreme NPD und die "Pommersche Aktionsfront" aufgerufen hatten, sowie eine Gegendemonstration der sogenannten Antifa-Szene in Stralsund. Die Polizei hielt beide Gruppen mit einem Großaufgebot - nach OZ-Informationen waren über 200 Beamte im Einsatz - auseinander.

Die knapp 150 Demonstranten des NPD-Zuges marschierten gut zwei Stunden vom Bahnhof durch die Frankenvorstadt und Innenstadt zum Alten Markt. Dort schloss sich eine Kundgebung an, die 16 Uhr endete. Ziel der Aktion war, aus den Opfern des Bombenangriffes von 1944 in Stralsund politisches Kapital zu schlagen.

Zu den Rednern gehörte der wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestrafte Lutz Giesen, der die Schuld von den Nazis zu den Allierten zu lenken versuchte. Deren Ziel sei die "Vernichtung" Deutschlands gewesen. Der Stralsunder NPD-Abgeordnete Dirk Arendt sprach unter anderem vom "Aufbau eines nationalsozialistischen Deutschlands".

Die 70 Teilnehmer der "linken" Demo wurden vom Bahnhof über die Engels-Straße zum Schill-Denkmal gelenkt.

Bei beiden Zügen kamen die Teilnehmer aus ganz M-V sowie Berlin und Brandenburg.

Ostseezeitung-Stralsund

18.10.2004
150 marschierten gegen Rest der Welt - Naziaufmarsch in Köln - Stralsund wehrte sich

Von Jochen Bülow

Der Neonazi Christian Worch und seine Handvoll »Herrenmenschen« demonstrierten am Samstag in Köln gegen »zu viele Ausländer« und den »Untergang des deutschen Volkes«. Den 150 Rassisten standen Demonstranten gegenüber, denen ein »Drittes Reich« für alle Zeiten genügt.

Chorweiler, Mülheim und jetzt Kalk - nicht zufällig marschieren rassistische Bauernfänger seit Jahren immer wieder durch Köln und immer wieder durch Stadtteile in denen zahlreiche Menschen mit ausländischem Pass oder ausländischer Abstammung leben: In Köln nämlich, so der Aufruf der Nazis an die »lieben Kameradinnen und Kameraden«, sei »für die Verteidigung unseres Deutschtums ein Zeichen zu setzen« gegen das »Symbol für das (Auslauf-) Modell der multikulturellen Gesellschaft«. Rund tausend Gegendemonstranten, zum Teil in zwei angemeldeten Gegendemonstrationen, zum Teil unabhängig, sagten »Nein« zum Dumpf-Deutschum der glatt rasierten Hohlköpfe. Worch und andere polizeibekannte Hetzer dagegen verteilten Flugblätter mit türkisch-sprachigen Texten gegen »Rassendurchmischung« - gerade so, als wären im Rheinland nicht seit Jahrhunderten Menschen aller Herkunft miteinander glücklich geworden, als hätten sie keine Kinder bekommen und als ob es so etwas wie eine »Rasse« in Mitteleuropa überhaupt gäbe. »Alles wie gehabt«, vermeldete Polizeisprecher Wolfgang Beus nach einem für seine Kollegen heißen Tag: Ein Neonazi wurden wegen Messerbesitz, 27 Gegendemonstranten wegen Stein-, Flaschen- und Eierwürfen festgenommen. Alle waren am Samstagabend wieder auf freiem Fuß.

Trotz vieler Plakate an Häusern und Fenstern, trotz der vielfältigen Blockadeversuche und trotz des deutlichen Unwillens der Polizei über den rechten Aufmarsch konnte die Veranstaltung der Nazis wie geplant durchgeführt werden. Wie so oft hatten Gerichte auch dieses Mal das Demonstrationsrecht der Rechten höher eingeschätzt als die Menschenwürde von Ausländern.

Provokation im Nordosten

Stralsund (epd/ND). Mit einem Großaufgebot hat die Polizei in Stralsund Zusammenstöße zwischen Rechtsextremen und linken Protestgruppen verhindert. An dem Nazi-Aufmarsch am Samstag nahmen nach Polizeiangaben rund 150 Rechtsextreme aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und anderen Bundesländern teil. Der Staatsschutz prüfe zur Zeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Stralsunder NPD-Vorsitzenden Dirk Arendt, sagte Polizeisprecher Uwe Werner. Arendt hatte in einer Rede den Aufbau eines »nationalsozialistischen Deutschlands« gefordert und sich für die Bildung einer »Volksfront von Rechts« aus NPD und rechtsextremen Kameradschaften ausgesprochen.

Neues Deutschland

18.10.2004
Neonazis in Stralsund

Nach einer rechten Kundgebung gegen die alliierten Luftangriffe vor 60 Jahren prüft der Staatsschutz, ob er gegen den Stralsunder NPD-Chef Dirk Arendt ermitteln soll. Er hatte bei der Kundgebung den Aufbau eines "nationalsozialistischen Deutschlands" gefordert und für eine "Volksfront von rechts" plädiert.

taz

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