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18.10.2004
Fenster-Blick eines KZ-Überlebenden
Rostock-Reutershagen - Eine gemeinsame Kabinettausstellung des Max-Samuel-Hauses und des Museums der lettischen Stadt Aizpute wurde am Sonnabend im Café der Kunsthalle eröffnet. Zu sehen sind Grafiken des gebürtigen Moldawiers Josif Elgurt, der heute in Riga lebt.
Elgurt wurde 1924 als Sohn eines Graveurs geboren. Schon als Kind kopierte er Abbildungen aus Kunstbüchern, genoss die Zeichenstunden am Gymnasium. Anschließend arbeitete er in einer Druckerei und lernte die Technik der Lithografie kennen. Bis Kriegsbeginn beschäftigte sich Elgurt autodidaktisch mit Kunststudien. 1941 übernahm die rumänische Verwaltung wieder seine Heimatstadt, womit die Repressalien für die Juden begannen. Elgurts Familie wurde aus ihrer Wohnung vertrieben. Sein Vater, seine Schwester und andere Verwandte wurden deportiert. Er selbst lag wegen einer Typhuserkrankung im Krankenhaus, dann musste auch er in ein Lager, aus dem er zwei Jahre später befreit wurde.
Dr. Fred Mahlburg, Vorstandsmitglied des Max-Samuel-Hauses, besuchte den Künstler in seiner heutigen Heimat Riga. Dort übernachtet Elgurt häufig in seinem kleinen Atelier, weil er es sich nicht leisten kann, auch seine Einraumwohnung zu heizen. "Die meisten seiner Bilder stellen einen Blick aus dem Fenster dar", so Mahlburg. Gelegentlich bildet der Künstler auch Innenraum und Fenster mit ab. Zu sehen sind zum Teil Gegenstände des alltäglichen Lebens. Es ist der Blick aus der Vorstadtwohnung Elgurts: maximal zweistöckige Häuser, Hinterhöfe und die Bäume im Verlauf der Jahreszeiten. Ein alter jüdischer Freund habe einmal gesagt: "Josif Elgurt braucht seine Kunst, um das Überleben zu ertragen." Mahlburg erklärt: "Der stille Blick aus dem Fenster des Überlebens sieht sehr viel."
Menschen sind allerdings auf den Bildern sehr selten zu finden, lediglich Pfade, die sie in den Schnee getreten haben, oder ihre hell erleuchteten Fenster. Der Psychologe Johannes Dirschauer vermutet: Elgurt schaffe eine "potenziell bewohnbare", zugleich aber auch "entleerte Welt". Für die von den Nazis Ermordeten versuche er, ein Zuhause zu schaffen.
Die Ausstellung ist bis zum 28. November von dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr zu sehen. Für den 14. November um 11 Uhr ist eine Matinee zu Josif Elgurts Werken vorgesehen.
JENNY KATZ
Ostseezeitung-Rostock
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