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11.10.2004
15-Jähriger flüchtet im BMW der Mutter - SVZ-Gespräch mit Revierleiter und Kripo-Chef

Hagenow - Eine filmreife Verfolgungsjagd hat sich am Donnerstag ein 15-Jähriger mit Hagenower Polizisten geliefert. Zu diesem und weiteren Fällen der Woche gaben der Revierleiter, der Erste Hauptkommissar Bürckner, sowie der Kripo-Außenstellenchef, Kriminalhauptkommissar Rothe, Auskunft.

Frage: Wie war es zu der Verfolgungsjagd gekommen?

Günter Bürckner: Der 15-Jährige war mit dem BMW seiner Mutter in Wittenförden in einer Kurve mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidiert. Er fuhr weiter, entfernte sich also pflichtwidrig vom Unfallort. Daraufhin drehte der Unfallgegner um, nahm die Verfolgung auf und verständigte die Polizei. Übers Handy hielt er die Beamten auf dem Laufenden, wo sich der BMW befindet. Pech für den 15-Jährigen, dass ein Streifenwagen des Hagenower Reviers sich ihm gerade entgegen bewegte. Die Beamten stellten den VW T4 mit eingeschalteten Blaulicht quer auf die Fahrbahn.

Frage: Ließ sich der Fahrer damit stoppen?

Günter Bürckner: Nein. Er näherte sich der Straßensperre mit großer Geschwindigkeit, fuhr auf dem linken Seitenstreifen vorbei und flüchtete weiter. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf. Am Ortseingang Schossin bog der BMW-Fahrer auf einen Landweg ab. In einer Buschgruppe endete seine Flucht. Der 15-Jährige und seine gleichaltrige Beifahrerin konnten aus dem Auto geholt werden. Der Jugendliche muss sich nun gleich für mehrere Delikte verantworten - er fuhr ohne Fahrerlaubnis, flüchtete vom Unfallort, leistete Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährdete den Verkehr. Sein Unfallgegner hat uns gut geholfen, den Jungen zu stellen.

Frage: Unter den 52 Strafanzeigen in der Vorwoche waren sieben Körperverletzungen. Ist diese hohe Anzahl normal?

Klaus-Dieter Rothe: Wir nehmen jede Woche mehrere Körperverletzungen auf. Man redet nicht miteinander, sondern argumentiert mit Schlägen. Die Hemmschwelle sinkt, Opfer werden mit Fäusten und Füßen traktiert. Ein 21-Jähriger ist in der Nacht zum 3. Oktober in einer Discothek in Wittenburg so schwer verletzt worden, dass er auf die Intensivstation des Schweriner Klinikums gebracht werden musste. Die Ermittlungen zu Hergang und Tätern laufen noch.

Frage: Mit welchen Konsequenzen müssen die Täter rechnen?

Klaus-Dieter Rothe: So eine Tat wird natürlich strafrechtlich verfolgt. Aber das ist nur eine Seite. Auf die Täter können außerdem enorme finanzielle Belastungen zukommen, weil sich die Versicherungen die Kosten für Krankenhausaufenthalt, Arzt und Krankentransport bezahlen lassen.

Frage: In Hagenow sind zwei Autos schwer beschädigt worden. Haben Sie Erkenntnisse zu den Motiven?

Günter Bürckner: Ob gezielter Racheakt oder Schandtat ohne Sinn und Verstand werden die Ermittlungen der Kripo zeigen. Deshalb sind wir an Hinweisen interessiert. An einem SEAT auf dem Parkplatz am Kießender Ring 30 waren in der Nacht zu Donnerstag alle Reifen zerstochen und die Scheiben eingeschlagen worden. Der Schaden beläuft sich auf 3500 Euro. Und bei einem Citroen in der Hagenstraße wurden in der Nacht zum 3. Oktober Hakenkreuze und SS-Runen auf Motorhaube und Dach geritzt.

Frage: Abschließend möchten Sie die SVZ-Leser um Mithilfe bitten.

Günter Bürckner: Ein Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei hat an der Straße zwischen Tessin und der B5 eine Gedenktafel gefunden, die aus einer Wand gerissen wurde. Bei uns liegt aber keine entsprechende Anzeige vor. Deshalb sind wir für Hinweise dankbar, wo die Gedenktafel für Niels Stensen, der 1686 in Schwerin starb und 1988 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, verschwunden ist.

Interview: K. Neumann

Schweriner Volkszeitung-Hagenow

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