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08.10.2002
Verfemte Musik und Musiker im Blickpunkt - Facettenreiches Projekt bewegte Schweriner - Berührende Lesung mit Zeitzeugen
"Helgas Tagebuch, ein Mädchen vom Zimmer 28. L 410. Theresienstadt" wurde als szenische Lesung im Rahmen der Tage der verfemten Musik in Schwerin vorgetragen. Das hatte Brisanz, war emotional, bedrückend, führte erneut zu der Frage, wie war das überhaupt möglich, dass es in Deutschland unter den Nazis zum Holocaust kommen konnte.
Die Lesung war ein Fünkchen von Aufarbeitung der Geschichte, unserer Geschichte. Eine Interpretin der Texte von Hannelore Bremer-Wonschick war die Betroffene selbst, Helga Kinsky, geb. Pollak. Ihr zur Seite standen die Schweriner Schauspieler Ute Kämpfer, Ingrid Michalk und Udo Molkentin, ein homogenes Quartett.
Am 23. Januar 1943 kamen die knapp 13-jährige Helga Pollak und ihr Vater im KZ Theresienstadt an. Bis zum Einmarsch der Nationalsozialisten hatte Helga eine behütete Kindheit in Wien. In Theresienstadt wurde sie dem Zimmer 28 im Mädchenheim L 410 zugeteilt. Das wurde der Alltag für das Kind. Es wuchs die Sehnsucht nach einem menschenwürdigen Leben. Von Anfang an hielt sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch fest. Diese sollen im kommenden Jahr als Buch auf den Markt kommen.
In Schwerin gab es eine beeindruckende Lesung vorab. Im Wechsel wurden die Situationen durch die Leid tragende Helga Kinsky und die Schweriner Schauspieler differenziert und emotional demonstriert, dazwischen mit weiteren Stimmen und musikalischer Untermalung bereichert Da stellte sich Mitgefühl ein, es flossen Tränen, nicht nur bei der Wiedergabe des Briefes an den Papa: "Ich kann noch nicht glauben, dass ich bei Dir bin. Ich bin so unglaublich glücklich, dass ich Dir das gar nicht sagen kann. Dass ich wieder ein normaler Mensch sein kann, das ist ein Gefühl, das kannst Du dir nicht vorstellen...". Vorstellen könnten wir uns das vielleicht noch, doch nachfühlen kaum. Es ist unvorstellbar, dass es so was überhaupt gab. Solche Schicksale müssen den Menschen für immer erspart bleiben. Die Veranstaltung trug dazu bei. Betroffenheit dominierte, Tränen und Umarmungen bezeugten die Anteilnahme für Helga Kinsky, für die schlimme Zeit, die sie als Kind unschuldig erleben musste.
Schweriner Volkszeitung
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