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30.09.2004
Flüchtlinge berichten von ihrem Alltag
Warum sie flüchteten, wie sie sich vor deutschen Gerichten fühlen, wie sie den Alltag in Wismar bewältigen: Davon berichteten Flüchtlinge aus Togo.
Wismar - Auch wer Französisch nicht versteht, bemerkt die Erregung und Emotion von Amouzou Blaise. Seine Stimme überschlägt sich fast. Schnell spricht er, und laut. Er berichtet vom Leben in seinem Heimatland Togo, aus dem er vor einiger Zeit nach Deutschland geflohen ist. Sechs andere Flüchtlinge aus dem Togo sind ebenfalls an diesem Abend ins Tikozigalpa gekommen, um im Rahmen der Interkulturellen Woche Deutschen von der Situation in dem Land zu berichten und von ihrem Leben in Wismar.
Es sind keine schönen Geschichten, die Amouzou zu erzählen hat. "Die Lage ist unverändert, Togo ist immer noch eine Militärdiktatur", sagt er. Wer sich gegen Staatschef Eyadéma wende, werde verhaftet. In allen gesellschaftlichen Schichten, in allen Lebensbereichen arbeite die Geheimpolizei des seit Jahrzehnten regierenden Staatspräsidenten. Vor diesem politischen Terror sei er nach Deutschland geflohen, nach Wismar. Die anderen Togolesen stimmen Amouzou zu. Ihre Geschichten gleichen sich, sie zeichnen das Bild einer durch allgegenwärtigen Zwang und Kontrolle unterdrückten Gesellschaft. Bis in den Alltag geht dieser Druck, berichtet auch Glogah Kokou. Er arbeitete früher im Togo als Lehrer. Sein Vorgesetzer: ein Militär, der die politische Ausrichtung des Unterrichts kontrolliert und Abweichler bedroht. Ein anderer Flüchtling, ein KfZ-Mechaniker, erzählt, sein Vater sei vom Sohn des Präsidenten ermordet worden.
Von deutschen Gerichten, die über die Asylanträge von Flüchtlingen aus dem afrikanischen Land zu entscheiden haben, zeigen sich die Togolesen enttäuscht, ja, bedroht. Ihnen werde zu Beginn der Verhandlungen der Eindruck vermittelt, dass ihnen nicht zu glauben sei, berichtet einer der Flüchtlinge. Die zuständigen Richter würden behaupten, ihre Aussagen zur Situation in Togo seien erlogen.
Darauf legen alle Flüchtlinge an diesem Abend wert: Sie hätten nicht die Absicht in Deutschland zu bleiben, sie hätten Schutz begehrt vor politischer Verfolgung. "Alle, die hier sitzen, träumen davon, dass sich politisch etwas in Togo ändert", sagt Noamesi Koudaya. Das Leben in Deutschland sei für sie kein Paradies, als Asylbewerber dürften sie zum Beispiel nicht arbeiten, etwas, das viele bedrücke. Einige hätten Familien in Togo zurücklassen müssen. Vorurteile ihnen gegenüber begegneten ihnen in diesem Land. Die Leute würden sie nicht wie andere normale Menschen anschauen. Bei einem Fußball-Spiel hätten Besucher aufgehört zu klatschen, als er in den Applaus eingestimmt hätte, berichtet ein anderer Togolese. "Wir sind dankbar, dass wir hier Schutz finden konnten, wir sind wirklich nicht hier, weil wir Böses wollen; Togolesen sind friedliche und sanfte Menschen", sagt Amouzou.
PETER ITZEN
Ostseezeitung-Wismar
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