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29.09.2004
Ausstellung wächst beim Wandern

Die Interkulturelle Woche fand gestern mit einer Ausstellung in der Jakobikirche und einer Lesung an der Diesterweg-Schule ihre Fortsetzung.


Stralsund - Gäste der Ausstellungseröffnung "Jugend im Dritten Reich" waren gestern in der Kulturkirche St. Jakobi Schüler der 13. Klassen der IGS Grünthal, die interessiert lauschten und vieles mitschrieben. Sie ließen sich beeindrucken von dem Schicksal des jüdischen Mädchens Anne Frank, aus dessen Tagebuch die Schülerin Katja Hirsch Passagen vortrug. Die Ausstellung wird Thema einer Projektarbeit der IGS-Gymnasiasten über die ideologische Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen sein, bei der sich der Bogen bis in die Gegenwart spannen soll.

Koordinatorin Sabine Teubner-Schoebel von den Produktionsschulen Zarrendorf als Mitinitiator des aus EU- und Bundesmitteln geförderten Projekts berichtete, wie die Exposition während ihres Wanderns durch die Schulen des Landes wächst. Inzwischen besteht sie aus acht beidseitig beschriebenen Tafeln. Dem ursprünglichen Kern, der erstmals beim Jugendevent "Prora 2003" gezeigt wurde, fügten Schüler aus Grimmen und Barth sowie vom Stralsunder Hansa-Gymnasium weitere regional geprägte Seiten hinzu.

Die Ausstellung ist bis nächsten Montag in St. Jakobi zu sehen und tritt anschließend den Weg nach Greifswald an. Da sie relativ leicht aufzustellen ist, können sich noch weitere Schulen und Einrichtungen, die Interesse daran haben, unter Tel.: 03 83 27/2 33 melden.

Zeitgleich zur Ausstellungseröffnung gab es in der Diesterweg-Realschule eine Lesung aus dem Buch "Papa, was ist ein Fremder?". Autor ist der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun, der seit mehr als 30 Jahren in Frankreich lebt und von seiner zehnjährigen Tochter Mériém mit Fragen gelöchert wurde. "Papa, was ist Rassismus? Was genau ist ein Fremder? Bin ich eine Fremde, wenn ich in die Normandie fahre?" Anlass für den Autor, die Antworten in einem Buch für andere Kinder festzuhalten. Mit der Ausländerbeauftragten Stefanie Hertwig kam gestern zwar nicht der Autor höchstpersönlich in die 7b, sondern Lektor Richard Rocholl vom Mückenschwein-Verlag. Beim Lesen übernahm der 25-Jährige den Vater-Part, die Schülerin Marie-Lena Dreblow den der neugierigen Tochter.

Die 23 Mädchen und Jungen hatten in den beiden Unterrichtsstunden aber nicht nur zuzuhören: Zuvor wurden sie von der Ausländerbeauftragten aufgefordert, solche Begriffe wie Rasse ("Das sind verschiedene Arten von Menschen."), Vorurteile ("Wenn ein Fremder kommt und man sagt, er ist doof, obwohl man ihn gar nicht kennt.") oder Mobbing ("Wenn man von seinen Klassenkameraden ständig niedergemacht wird.") zu erklären. Hinterher war Stefanie Hertwig von den Siebtklässlern begeistert: Zeigten die sich zunächst noch zurückhaltend, diskutierten sie recht schnell rege mit, bewiesen dabei gutes Allgemeinwissen. Und haben in ihrer Klasse selbst einen Jungen aus Nowosibirsk, der von Anfang an dazugehört.

ELFI GÜNTHER und DOREEN BREITENFELDT

Ostseezeitung-Stralsund

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