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18.09.2004
"NS-Zeit in Barth darf kein Tabu-Thema sein"

Barther Gymnasiasten sind neugierig: Wie lebte man damals in Barth? Wie war es in der Schule? "Damals" - das ist die Zeit des Nationalsozialismus.


Barth. Es war in Barth über 40 Jahre ein Tabu-Thema: Fliegerhorst und Rüstungsanlagen, KZ und Kasernen, Kriegsgefangenencamps und Internierungslager - Barther Historie im Dritten Reich. "Für Tausende ein Ort des Leidens, ein Ort der Opfer und somit auch ein Ort der Täter", sagt der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte. Dass dieses Kapitel Barther Geschichte in der DDR-Zeit fast keine Rolle spielte, bedauert nicht nur Helga Radau, die schon seit langem an dem Thema forscht. Engagierte Bürger fanden sich vor einigen Jahren im Förderverein zusammen, um die weißen Flecken in der Geschichte der kleinen Stadt zu tilgen.

Für Jan, für Mathias und die anderen Mitstreiter des Projektkurses "Regionalgeschichte" am Barther Gymnasium ist es wichtig, diese Aufarbeitung der Geschichte mit ihren Mitteln zu begleiten. Nicht nur, weil ein Teil ihrer Schule einst dazu diente, Tausende Männer zum Kriegführen gegen andere auszubilden.

Die 13 Mädchen und Jungen des Kurses finden es bedeutend, regionale Geschichte zu erforschen und vor dem Vergessen zu bewahren. Das ist nicht einfach, wie Jan berichtet: "Wir haben im Stadtarchiv Akten durchgewühlt und stellten fest, dass viele amtliche Unterlagen wohl 1945 vernichtet worden waren". Ein mühseliges Unterfangen sei es, die beiden Projekte der Schüler zu realisieren: Eine Gruppe erarbeitet Tafeln über die Flakartillerieschule in der Uhlenflucht, eine zweite Gruppe zum Thema "Barther Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus".

Gespräche mit Zeitzeugen, das ist für die jungen Leute ein unerlässliches Mittel, um zu recherchieren. Und deshalb bitten die Gymnasiasten um Hilfe: Wer möchte über diese Zeit in Barth erzählen? Wer kann mit Lebensgeschichten oder Erinnerungen zum Gelingen des Projektes beitragen? "Die Bürger, die uns etwas erzählen wollen, bestimmen selbstverständlich, wo und wie das geschehen könnte", sagt Lehrerin Christiane Schuldt, die schon mehrere Projekte der Geschichtsaufarbeitung erfolgreich begleitete. Und Elke Engelmann vom Förderverein ist über das Engagement der Jugendlichen erfreut: "Sporadisch hatte sich an der damaligen EOS eine AG 'Junge Historiker' mit dem KZ beschäftigt, doch erst jetzt wird die Geschichte intensiv erforscht."

HANS-JOACHIM MEUSEL

Ausstellung "Barth im Dritten Reich"

Eine Dauerausstellung "Barth im Dritten Reich" soll entstehen. Der Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte erhielt die Räume der Hausmeisterwohnung in der Diesterweg-Schule. Nun haben Handwerker und Vereinsmitglieder, junge und ältere Bürger das Sagen, um neben dem Vineta-Museum und dem Bibelzentrum einen dritten Punkt in Barth zu schaffen, der sich mit einem lange verdrängten Zeitabschnitt beschäftigt. Schwerpunkte werden das Konzentrationslager, das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft 1 sowie Barth als Garnisons- und Rüstungsstandort sein. Der Verein Dokumentations- und Begegnungsstätte erarbeitete eine Konzeption, der Grafiker Wolfgang Sohn wird die Exposition gestalten. Gefördert wird das Projekt unter anderem vom Land Mecklenburg-Vorpommern, von der "Civitas", von der Landeszentrale für politische Bildung sowie von der Stadtverwaltung Barth. Es ist geplant, die Ausstellung im Jahre 2005, dem 60. Jahrestag der Befreiung und dem Jahr des 750. Stadtgeburtstages, zu eröffnen.

Ostseezeitung-Ribnitz-Damgarten

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