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05.10.2002
Anklamer Gericht verurteilt Nazis - Acht Rechte hatten Mann in Ducherow wegen "undeutscher" Taten verprügelt und mit Messer attakiert

Anklam/Ducherow . "Sie sind noch einmal glimpflich davongekommen", wandte sich Amtsrichter Jörg Dräger an die beiden 23 und 26 Jahre alten Angeklagten , die sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten mussten. Den jüngeren der beiden hatte der Richter gerade zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt; der ältere erhielt eine drei Monate längere Haftstrafe, die Dräger ebenfalls zur Bewährung aussetzte.
Der Richter hielt die beiden Männer für schuldig, gemeinsam mit sechs anderen Jugendlichen - deren Namen allerdings nicht ermittelt werden konnten - im Juni vergangenen Jahres in Ducherow einen 24-Jährigen überfallen und brutal misshandelt zu haben. Zunächst stießen sie ihr Opfer vom Fahrrad, versetzten ihm Fußtritte und Faustschläge und stachen mit einem Messer auf ihn ein. Als Glücksfall erwies sich dabei, dass das Messer stumpf war, weil die Spitze zuvor bereits abbrach. So lautete der Vorwurf gegen die beiden "nur" auf gefährliche Körperverletzung. Hätte der 24-Jährige hingegen mehr erlitten als Stichwunden und Prellungen an Beinen und Gesäß, "wäre es schon ein versuchtes Tötungsdelikt gewesen", machte der Vertreter der Staatsanwaltschaft deutlich. Täter in rechter Szene Kurz vor Mitternacht hatten die Täter ihr Opfer überfallen, nachdem sie zuvor "im Club saßen und einen gebechert haben", wie der 23-jährige Angeklagte zur Protokoll gab. Der Überfallene sei ohnehin in der Gruppe verhasst gewesen - und als dann noch das Gerücht die Runde machte, er deale mit Drogen, wollte man ihn für diese "undeutsche" Tat bestrafen. Er, sein drei Jahre älterer Kumpel und weitere, offenbar der rechten Szene angehörende Jugendliche hätten daraufhin beschlossen, das Opfer zu einem Treffpunkt zu bestellen.
Als jener tatsächlich kurz vor Mitternacht zum vereinbarten Ort kam, wurde er sofort attackiert. Ein 49-jähriger Mann wurde vom Balkon seiner Wohnung aus Augenzeuge des Überfalls: Er habe gesehen, dass zwei Männer immer wieder auf ihr am Boden liegendes Opfer eingeschlagen hätten. Jedoch sei er zu weit entfernt gewesen, um die Täter genau identifizieren zu können.
Das Opfer selbst, das zur Zeit eine Freiheitsstrafe in Stralsund absitzt, versicherte jedoch, dass er von mehr als nur von zwei Personen überfallen und misshandelt worden sei. Wer die anderen mit Springerstie- feln und Bomberjacken ausgestatteten Angreifer waren, habe er indes nicht mitbekommen. Warum er Ziel des brutalen Überfalls geworden ist, "weiß ich noch immer nicht", sagte er aus. Es gebe da keine Vorgeschichte, wehrte er sich gegen den Vorwurf, mit Rauschgift gedealt zu haben. Zwei Wochen habe er nach dem Vorfall im Krankenhaus zubringen müssen.

Letzte Chance

Für Staatsanwaltschaft wie Richter war die Angelegenheit nach der Beweisaufnahme eindeutig: Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung habe sich durch das Geständnis der Angeklagten und die Zeugenaussagen bestätigt, fasste der Anklagevertreter zusammen.
Dass die Täter mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, ist für sie sozusagen eine letzte Chance; immerhin ist der 23-Jährige bereits vorbestraft. Werden die Männer während ihrer insgesamt dreijährigen Bewährungszeit wieder straffällig, droht ihnen ein Gefängnisaufenthalt, redete Dräger ihnen ins Gewissen. Zudem erlegte er ihnen gemeinnützige Arbeit auf: 100 Stunden für den Jüngeren und 200 Stunden für den Älteren.

Nordkurier-Anklam

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