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27.08.2004
"Hartz IV muss weg - und Schröder auch" - Erneut protestieren 3000 Menschen gegen Arbeitsmarktreform - Generelle Kritik an Politik durch Teilnehmer


Von unserem Redaktionsmitglied Frank Wilhelm

Neubrandenburg. Eine Fahne hat gestern Abend nach Ansicht von Arnold Lemke unter den Flaggen der Gewerkschaften, des PDS-nahen Jugendverbandes solid oder der DKP gefehlt. Die Landesflagge mit dem Stier, einem eindeutigen Symbol. "An unserer Sturheit werden sie kaputt gehen", rief Lemke der Menge auf dem Neubrandenburger Markt zu. Und erhielt prompt stürmischen Applaus von den nach Angaben der Veranstalter etwa 3000 Menschen, die gekommen waren, um gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV zu protestieren.

Lemke ist 50 Jahre alt, kommt aus Cölpin und kann unter anderem die Berufe Betriebsschlosser und Lehrausbilder als Qualifikationen aufzählen. Doch mit 50 Jahren brauche man nicht mehr beim Arbeitsamt vorzusprechen. Erstmals habe er vor solch einer Menge gesprochen - nur mit einigen Stichpunkten, sagte er stolz.

Arnold Lemke brachte die Wut und die Zukunftsangst wohl aller Demonstranten auf den Punkt. Vor allem aber auch die Verdrossenheit gegenüber der Politik jeglicher Coleur - egal ob die Agierenden in Berlin, Schwerin oder Neubrandenburg sitzen. Unter den Demonstranten waren nicht nur viele Eltern mit ihren Kindern, sondern auch Jugendliche. Zum Beispiel Brigitte Schneider (20) und ihre Freundin Bianca Behm (21) aus Neubrandenburg. Beide stehen kurz vor der Beendigung ihrer Bürokauffrau-Lehre. Am Montag ist Schluss, am Dienstag werden sie zum Arbeitsamt gehen. "Wir haben uns überall in Deutschland beworben, doch nur Absagen bekommen", sagt Brigitte Schneider. Auf ihren selbst bemalten T-Shirts zeigen sie, wer ihrer Ansicht nach Schuld an der Misere ist. "Hartz IV muss weg!" Und beide ergänzen fast im Chor: "Schröder auch!"

Verständnis im Stau

Nachdem der Zug am Donnerstag vor einer Woche vom Rathaus über die Turmstraße zum Markt gezogen war, führte der Weg gestern über den Ring. Wie vom Rathaus verfügt, wurde eine Fahrspur der Magistrale freigelassen - prompt rasten auch zwei Rettungswagen mit Blaulicht vorbei. Autofahrer, die an der Pferdemarktkreuzung und am Bahnhof von der Polizei gestoppt wurden, zeigten Verständnis für den Protest. "Ich ärger mich zwar, dass ich hier stehe. Aber es ist gut, dass sich die Menschen das nicht gefallen lassen", sagte Dagmar Beckmann aus Neubrandenburg. "Das muss man hinnehmen, ich habe Verständnis für die Demonstranten", meinte eine Greifswalderin.

Kein Verständnis zeigte Dieter Kowalick, Versammlungsleiter und PDS-Kreisvorsitzender, gegenüber den Rechtsradikalen, die am Rande der Demonstrationen gegen Hartz IV protestierten. "Wir werden hier kein rechtes Gedankengut verbreiten."

Nordkurier-Neubrandenburg

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